Kulinarisches aus Kärnten: Kasnudeln
Eine Kärntner Freundin, wie ich Expat in den Niederlanden, brachte uns auf die diesjährige Urlaubsidee. Sie empfahl und ein Wellness-Hotel auf der Turracher Höhe in der Nähe von Klagenfurt, wo sie selbst mit ihrem Mann jedes Jahr ein paar Tage verbringt. Eine Woche aktive Entspannung – Massagen, Hamam, Seebad, Wanderungen und gutes Essen – das schien genau das Richtige für mich und meine umzugsgestresste Familie. Die Entscheidung fiel schnell und so trudelten wir, nach einem Zwischenstopp in unserer fränkischen Heimat, letzte Woche im Hochschober ein.
Wie gehofft wurde es eine sehr erholsame Woche, in der ich sehr wenig an Kisten, Koffer und unser halbfertiges Haus in Holland dachte, sondern viel schwamm, wanderte und jeden Abend durch ein viergängiges Menü verspeiste. Die Zutaten, die das Küchenpersonal verarbeitete, stammen im Hochschober, wie in vielen österreichischen Hotels, vorwiegend von regionalen Zulieferern, von Schwein über Kalb und Rind bis zu köstlichem Käsespezialitäten, Michprodukten und selbstgebackenem Brot aus Amarant und Dinkel. Dass es ab und zu an der Feinabstimmung der Gewürze haperte und einige Gerichte für meinen Geschmack etwas langweilig anmuteten, fiel ob der hervorragenden Qualität der Produkte nicht so sehr ins Gewicht.
Neben den bekannten österreichischen Spezialitäten wie Topfenstrudel, Frittatensuppe, Wiener Schnitzel oder Speckknödel gab es am regionalen Spezialitätenbüffet eines Abends auch Kärntner Kasnudeln – mit Quark und Kräutern gefüllte Teigtaschen, die in Salzwasser gegart und mit Butter und Schnittlauch serviert werden. Die Kasnudeln waren okay, aber da es so viele andere Gerichte gab, die ich ebenfalls ich auch kosten wollte, verlor sich ihr Geschmack in der Vielfalt des Angebots.
Am Ende des Urlaubs besuchten wir auf dem Nachhauseweg eben jene Freundin, die mir den Hotel-Tipp gegeben hatte, in Klagenfurt. Und was gab es zu Mittag? Genau – Kärntner Kasnudeln – hausgemacht von ihr, einer ihrer Schwestern und ihrer Mutter. Wir verspeisten die Teigtaschen mit einem gartenfrischen grünen Salat auf der Terrasse und jetzt, da sie nicht mit anderen Geschmacksrichtungen konkurrieren mussten, entfalteten die Kasnudeln ihren ganzen feinen Geschmack. Anita hatte sie nach dem Garen im Salzwasser noch einmal in Butter angebraten, sodass sie außen etwas knusperig waren – ein wunderbarer Kontrast zu der weichen, frischen Quarkfüllung. Natürlich wollte ich sofort wissen, wie sie die Kasnudeln hergestellt hatte. Anita erzählte, dass es verschiedene Varianten für Teig und Füllung gibt, selbst ihre Mutter und ihre Schwesterkonnten sich nicht einigen, ob der Teig mit oder ohne Öl, die Füllung mit oder ohne Brotwürfel zubereitet werden sollte. Durchgesetzt hatte sich schließlich die Schwester, nach ihrem Rezept wurden die Teigtaschen geformt. Eine Köstlichkeit der besonderen Art.
Mehl auf die Arbeitsfläche geben, eine Mulde hineindrücken und Ei, Salz und Wasser zugeben. Mit den Händen zu einem glatten, geschmeidigen Teig kneten. Dreißig Minuten zugedeckt ruhen lassen.
In der Zwischenzeit die Füllung zubereiten. Hier ist es wichtig, einen besonders trockenen, festen Quark zu verwenden. Der trockene Bröseltopfen ist in der Regel nur in Österreich erhältlich. Als Ersatz eignet sich Schichtkäse oder anderer fester Quark. Fall Sie keine dieser Varianten kaufen können, kann man sich damit behelfen, den Quark in ein Haarsieb zu geben, mit einem schweren Gegenstand (Holzbrett und Gewicht oder ähnliches) zu beschweren und über Nacht austropfen zu lassen.
Den so gewonnenen Quark mit den gehackten Kräutern vermischen, mit Salz und Muskat abschmecken.
Nach der Ruhezeit den Teig auf einer bemehlten Fläche zirka 2 mm dünn ausrollen. Mit einem Glas Kreise von 10 cm Durchmesser ausstechen.
In die Mitte jeden Kreises einen gehäuften TL Füllung geben. Den Teigrand anfeuchten, übereinander klappen und die Ränder fest verschließen.
Wer viel Zeit und etwas Geschick mitbringt, kann die Teigränder der Kasnudeln nicht nur einfach fest verschließen, sondern nach echter Kärntner Tradition „krendeln“. Wie das geht, sehen Sie hier.
Wenn man große Mengen herstellt, dann kann man auch eine große Teigplatte ausrollen, in Anständen 1 gehäuften TL Füllung auf eine Hälfte des Teiges setzen, die andere Hälfte darüber klappen, die Rändern fest andrücken und die Kasnudeln dann mit einem Teigrad ausrändeln.
Wenn alle Nudeln geformt sind, einen großen Topf Salzwasser zum Kochen bringen, die Nudeln 12-15 Minuten gar köcheln und dann in einem Sieb abtropfen lassen. Mit zerlassener Butter und Schnittlauch direkt servieren. Man kann die Nudeln auch etwas trocknen lassen und dann in einer Pfanne bei mittlerer Hitze leicht in Butter anbraten.
Dazu passt ein grüner Salat und ein trockener Kärntner Grauburgunder oder Traminer. Und zum Abschluss ein Glas Zirbenschnaps – eine hochprozentige regionale Köstlichkeit, über die es viel zu erzählen gibt. Aber erst im nächsten Blogbeitrag.
Bis dahin gutes Gelingen in allen Koch- und Lebenslagen.
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