Fränkische Dätscher fürs holländische Borreltje

steinbauer-groetsch©2014

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Nein ich rufe nicht zur Gewalt auf! Ein Dätscher ist im Fränkischen keine Ohrfeigen wie in Österreich, sondern ein rustikaler Snack, der in der Gegend um Hammelburg bevorzugt zu einem Glas Frankenwein serviert wird. Denn im Fränkischen bedeutet  „dätschen“ zerdrücken. Und  damit spielt das Wort auf die flache Form des Teigteilchens an, das ein wenig so aussieht, als wäre es unter die Räder gekommen, eben „zerdätschd“ worden.

Ich bin nicht in Unter- sondern in Mittelfranken aufgewachsen und wusste bis vor kurzem gar nichts von der Existenz dieser Dätscher. Erst beim Stöbern in meinem schon etwas betagten fränkischen Kochratgeber Kulinarische Streifzüge durch Franken von Frank Gerhard blieb ich  daran hängen. Eigentlich suchte ich nach einem Brotkuchenrezept. Das sind quasi die mittelfränkischen Verwandten des Dätschers. Diese wurden ursprünglich aus den Resten des Brotteigs gemacht und mit Zwiebeln  und Kümmel belegt. Vor dem eigentlichen Brotbacken schob man sie in den Steinbackofen, um die Temperatur zu überprüfen. Auch sehr lecker, aber wie gesagt, nicht im Kochbuch. Also mussten die Dätscher als Ersatz herhalten. Sie  werden Hefeteig hergestellt, unter den gekochte und geriebene Kartoffeln gemischt werden. Der Belag besteht aus Sauerrahm und Kümmel.  Orginal werden sie auch im Steinbackofen gebacken.

steinbauer-groetsch©2014

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Ich habe meine Dätscher leicht modifiziert, denn hier in Holland konnte ich nur Kreuzkümmel bekommen anstatt des in Deutschland gebräuchlichen echten Kümmels, der frischer und auch etwas süßer schmeckt. Und statt Butterschmalz verwendete ich normale Butter. Da ich einen Pizzastein besitze, kam der beim Backen zum Einsatz, was die Backzeit deutlich verringerte und den Dätscher schön knusprig werden ließ.

Weg waren die Dinger schnell, denn sie sind wirklich sehr lecker und relativ schnell gemacht. Ich bin sicher, sie schmecken nicht nur zum Frankenwein, sondern auch zu einem echten holländischen Borreltje hervorragend. mann kann sie alternativ auch mit Speckoder Frühlingszwiebeln belegen.

 Fränkische Dätscher

15 g Trockenhefe

100 ml Milch

500 g Weizenmehl

125 g weiches Butter- oder Schweineschmalz

200 g Kartoffeln

50 g Butter

5 EL Sauerrahm

Salz

Kümmel

(Quelle: Frank Gerhard: Kulinarische Streifzüge durch Franken)

 

Kartoffeln waschen in einen Topf mit kaltem Wasser geben. Wenn das Wasser kocht, die Kartoffeln zirka 20-25 Minuten garen. Im Dampfgarer brauchen sie bei 100°C 35 Minuten. Abkühlen lassen, schälen und reiben. Trockenhefe und Mehl vermischen.

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Mit  Butter- oder Schweineschmalz, geriebenen Kartoffeln, Milch und einer Prise Salz zu einem geschmeidigen Teig kneten.

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Zudecken und an einem warmen, zugfreien Ort 30 Minuten gehen lassen. Den Teig noch einmal gut durchkneten, dann zu einer Rolle formen und in 8 gleiche Teile schneiden.

Den Backofen auf 225°C vorheizen. Ich habe meinen Pizzastein benutzt und diesen bei 260°C vorgeheizt.

 

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Die Teigstücke jeweils zu kuchentellergroßen Fladen ausrollen. Auf ein gefettetes backbleck legen, mit etwas Butter  und Sauerrahm bestreichen und mit Kümmel bestreuen.

Im normalen Ofen zirka 20 Minuten backen.  Mit dem Pizzastein und der hohen Temperatur brauchen die Dätscher nur 10-15 Minuten.

Direkt aus dem Ofen schmecken sie am besten.

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4 Kommentare
  1. Oh das Rezept gefällt mir, sehr lecker!
    Lange will ich schon unseren hessischen Salzekuchen: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1348125639524
    mal machen, dass ist auch so eine ähnliche Variante mit Reste vom Brotteig, verwiegend Sauerteig.
    Dein Rezept spricht mich aber sehr an und das muss ich probieren.
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Ingrid

  2. Das sieht wirklich lecker aus, werde ich bei Gelegenheit ausprobieren. Die Notlösung mit dem Kreuzkümmel find ich allerdings ganz schön mutig, den die beiden haben ja geschmacklich wirklich nix miteinander zu tun, das dürfte zwei ziemlich unterschiedliche Ergebnisse geben. :)

  3. Habe gerade Deinen Blog via Linkedin entdeckt. Das sieht aber lecker aus, so ein bisschen wie die oberschwäbische Dinnette. Die werde ich demnächst mal backen dann kannst Du die gerne mal nachbacken, die ist ohne Kartoffel und hat eben noch Sauerrahm als Grundlage und Schinken oder Speck als Auflage drauf, aber ansonsten. Aber so einen Daetscher, das mache ich auch noch mal einen, auch wenn ich hier in China das gleiche Problem wie Du habe, der Kümmel. Kreuzkümmel gibst aber auch, da darf man halt als geplagter Expat nicht so genau hinschauen… Ansonsten bitte weiter so mit dem Blog, Du bist bald in meiner Blogroll mit drin und RSS ist auch schon abonniert :)

  4. Das Kümmelproblem habe ich inzwischen gelöst. Beim letzten Deutschland-Besuch wanderte ein Vorrat ins Gepäck. Aber wie du sagst, als Expat muss man generell kreativ sein. Und manchmal entsteht aus dieser Kreativität ja etwas tolles Neues.

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