Jahresrückblick 2016 – EIN TOPF HEIMAT

Jahresrückblick 2016 - EIN TOPF HEIMAT

Jahresrückblick 2016 – „Die Zeiten, sie ändern sich“, sang Literaturnobelpreis-Träger Bob Dylan 1964 und meinte damit den Aufbruch der jungen Amerikaner in eine neue offene und liberale Gesellschaft. Die Zeiten, sie ändern sich, das ist auch mein persönliches Fazit über 2016. Allerdings ändern sie sich nicht  im Sinne des Sängers mit der nasalen Stimme. Nein, der Schritt geht zurück zu Abschottung, Abgrenzung und Abspaltung. Für mich persönlich ist das nicht der Weg, denn ich habe wie viele meiner Generation von der Offenheit von Grenzen und Gesellschaften profitiert. Mein Blog ist ein Spiegel dieser Erfahrungen und wird es auch 2017 bleiben.  Ich bin der festen Überzeugung, dass man die eigene Identität nicht aufgeben muss, um eine andere besser kennenzulernen. Das ist im Leben so und auch in der Küche. Deshalb habe ich auch im letzten Jahr neue Länderküchen erkundet und beschrieben, bin gereist und habe mich durch neue Aromen gefuttert. (Und ja Stefan, ich schaff’s jetzt auch, jedes Thema mit Bob Dylan zu verknubbeln. Dass er nicht zur Preisverleihung erschienen ist, finde ich aber nicht in Ordnung!)

Bob Dylan Frankfurter Buchmesse

Jahresrückblick 2016 – Kulinarische Reisen

Reisen gehört für mich zum Leben wie Essen und Trinken. Bleibe ich im Bild, so war 2016 ein Jahr, in dem ich meinen Reisehunger vielfach stillen konnte. Im Januar löste ich den Gewinn des Blogevents der Frankfurter Buchmesse ein und verbrachte eine Woche in Jakarta.  Diese Woche gehört zu den besten in meinem Leben, dank der herzlichen Gastfreundschaft  der Köche und Foodexperten Bara Pattiradjawane und Köchin Sisca Soewitomo. Sie nahmen mich an die Hand und reisten mit mir kulinarisch durch das Inselarchipel.

Jakarta Food Journal

William Wongso zeigte mir das beste Lammsaté der Stadt,  Ochsenschwanzsuppe aus Jakarta und  die Klassiker der indonesisch-chinesischen Peranakan-Küche durfte ich verkosten. Das war einfach toll und ich gerate immer noch ins Träumen, wenn ich daran denke. Indonesien ist trotz hochkommender islamistischer Strömungen ein Reiseziel, das ich weiter im Auge haben werde.

Kambodscha stand am Ende des Jahres auf dem Programm. In Phnom Phen bummelte ich über einen der schönsten kulinarischen Märkte Asiens, den Central Market, und staunte über die Vielfalt der Fische und Meerestiere, von denen ich nur einen Bruchteil kannte.

Central Market Phnom Phen

Die kambodschanische Küche war in jeder Beziehung neu und spannend für mich und so lies ich mich von Chef Dara gerne in einem Kochkurs  in Siem Riep in die Geheimnisse der Landesküche  einweisen. Viele Gerichte haben einen Hang zur Säure, werden mit frischen Kräutern aromatisiert oder mit dem berühmten Kampot-Pfeffer abgeschmeckt. Natürlich besuchte ich auch die Tempel von Angkor Wat und war vollkommen hingerissen von der Baukunst und der Ästhetik der Anlagen. Ich kann nur jedem empfehlen – fahrt hin und schaut Euch das an. Das Land braucht den Tourismus, um nach den Jahren der Schreckensherrschaft und Bürgerkriege wieder auf die Beine zu kommen.

Im Sommer war ich in der Region unterwegs und erkundete die Küste Flanderns mit der Kusttram. Diese ganz besondere entschleunigte Art des Reisens  machte mir unheimlich viel Spaß und lies mich die Nordsee mit neuen Augen entdecken.

Natürlich habe ich auch die regionalen Spezialitäten erkundet und vlaamse frites sowie Miesmuscheln in sämtlichen Varianten goutiert. Ostende hat mich fasziniert, gerade wegen seiner rauen und brüchigen Schönheit und weil es die Geschichten vieler deutscher Exilanten in sich trägt.

Auch in meinem Gastland, den Niederlanden, war ich unterwegs. Die Hoge Veluwe in der Provinz Gelderland ist immer eine Reise wert. Im Herbst  entfaltet die Region  ihren besonderen Charme, vor allem auch kulinarisch, denn dann setzen die Köche  vieler Restaurants regionale Wildspezialitäten auf die Speisekarte.

het roode koper

Der Nationalpark Hoge Veluwe lädt zum Wandern und Radfahren in unberührter Natur ein und im Kröller-Müller Museum hängt die zweitgrößte van Gogh Sammlung der Welt.

Auch 2017 werde ich wieder reisen und ich habe mir vorgenommen, im Sommer  meine alte Heimat Franken im Blog zu erkunden. Außerdem will ich endlich Strandangeln!

Kulinarische  (Wieder) Entdeckungen

Die Entdeckung meines kulinarischen Jahres ist frischer grüner Pfeffer. Ich kannte diesen die meiste Zeit meines Lebens nur in Salzlake eingelegt aus dem Glas. Damit bereitete meine Mutter früher die Soße zum Steak zu. Als Kind mochte ich diesen Geschmack überhaupt nicht und so kam grüner Pfeffer in meiner Küche nicht vor – bis ich nach Kambodscha reiste. Dort wächst in der Region Kampot der berühmte Kampot-Pfeffer und der wird nicht nur getrocknet, sondern auch unreif, also grün zum Aromatisieren von Speisen verwendet.

Das Nationalgericht Loc Lak, sautiertes Rindfleisch, bekommt durch die milde zitronige Frische des grünen Pfeffers eine herrliche Würze. Leider habe ich bislang frischen grünen Pfeffer aus Kambodscha noch nicht in meiner Umgebung auftun können. Ersatz bietet Ware aus Thailand, aber ich hoffe, irgendwann kommt der Export in Schwung! Auf jeden Fall würze ich in letzter Zeit alles, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist mit grünem Pfeffer!

Kambodscha hat mich auch zu meinem Silvestermenü inspiriert, das ich mit den besten aller Freunde in Franken gekocht habe. Denn die fränkischen Forellen und Karpfen eignen sich hervorragend für die kambodschanische Küche, in der es unzählige Gerichte mit Süßwasserfischen gibt. In Tamarinde marinierte,  gebratene Karpfenfilets in Salat gewickelt – man glaubt es kaum, aber hier zeigt Franken seine entspannte Weltgewandtheit. Definitiv gibt’s 2017 mehr davon!

Käse gibt es in meinem Gastland Holland im Überfluss und nicht immer hat er den besten Ruf, vor allem wenn es um industriell produzierte Massenware geht. Dabei gibt es eine Menge von lokalen Käse-Produzenten, die auf allerhöchstem Niveau arbeiten. So wie Jan Dirk van de Voort, dessen Remeker Käse eine Offenbarung ist.

Boerenkaas Remeker

Jan ist Biobauer aus Überzeugung und hat mittlerweile auch die Kunden von seinem Konzept überzeugt. Der würzige Käse aus der Milch seiner Jersey-Kühe wird ihm sprichwörtlich aus der Hand gerissen. Selbst mein lokaler Wassenaarer Händler war glücklich, endlich mal einen Laib ergattert zu haben. Für 2017 habe ich mir vorgenommen, mehr kleine Käsereien zu besuchen und natürlich werde ich berichten.

Wiederentdeckt habe ich eine österreichische Spezialität, den Germknödel, mit dem mich eine lange Liebesgeschichte verbindet.  Zu Studienzeiten in Wien gab es die fluffigen Knödel mit viiiiel Butter, Mohn und Staubzucker in der Mensa.

steinbauer-groetsch©2016

Während meines Expat-Lebens geriet der Germknödel in Vergessenheit, bis ich ihn während des letzten Skiurlaubs wieder entdeckte. Dank Dampfgarer ist diese verlorene Liebe wieder reaktiviert worden.

Blogempfehlungen

Mein Gastland Niederlande ist geografisch überschaubar, aber überaus vielfältig. Bei der Orientierung im Dickicht von kulturellen Besonderheiten und versteckten Reisezielen helfen mir  immer wieder Blogs. Im Niederlandeblog schreibt Katharina Unger über Städte und Regionen zwischen Ijsselmeer und Zuidersee. Persönlich und mit viel Liebe zum Detail. Buurtaal von Alexandra Kleijn ist ein Niederlandeblog, der nach eigenen Worten  durch viel Liebe, Zuwendung und gutem Kaffee lebt. Alexandra informiert über die Sitten und Gebräuche unserer Nachbarn – mit Humor und Gespür für Zwischentöne. Sam und Michelle, zwei passionierte Foodbloggerinnen, führen in ihren Blogs BySam und Story154 mit Insiderwissen durch  den Amsterdamer Restaurant-Dschungel, immer auf der Suche nach den neuesten Hotspots. (auf englisch).

Lieblingsrestaurants

Ausgehen und Essen gehört zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Ich probiere gern Neues aus und bin dabei vollkommen offen. Ob Bistro oder Sterne-Restaurant, ich persönlich mag es entspannt und nachhaltig. Und mit wenig Fleisch.

In den Niederlanden gehört zu meinen Entdeckungen 2016 definitiv das Instock. Drei Restaurants gibt es unter diesem Namen, eines in Amsterdam, eines in Den Haag und eines in Utrecht. Das Konzept ist so einfach wie genial. Jeden Tag rücken Lieferwagen aus und retten Nahrungsmittel aus den umliegenden Supermärkten vor der Mülltonne. Sie werden dann in den Restaurants zu ständig wechselnden Menüs verarbeitet. Im Instock Den Haag reihen sich an den Wänden große Vorratsgläser auf, in der offenen Küche werkeln emsig die Köche. Preisgünstig und nachhaltig kann man hier essen. Toll!

Ebenfalls in Den Haag ist AndermansKeuken. Das kleine Tages-Bistro in der angesagten Frederikstraat bietet Frühstück, Mittagessen und High Tea. Eng an eng sitzt man hier beieinander, genießt frische Nudeln,  hausgemachte Fritten oder ein Clubsandwich. No nonsense Küche pur.

Pur und frisch kocht auch Dennis van den Beld im Roode Koper in der Hoge Veluwe. Der 25-Jährige hat sich bereits einen Stern verdient und das zu Recht. Mit regionalen und nachhaltigen Produkten kreiert er saisonale Menüs von großer Klarheit und feiner Raffinesse. Das Restaurant ist Teil eines Landguts in traumhafter Lage, in dem man auch übernachten kann.

Dennis van den Beld Koch

Zu guter Letzt war ich diesen Sommer nach langen Jahren wieder einmal im Essigbrätlein in Nürnberg. Und auch diesmal war ich einfach nur begeistert. André Köthe beherrscht es meisterhaft, einfache regionale Gemüsesorten in Gourmet-Stars verwandeln, die in Aussehen, Geschmack und Textur immer wieder überraschen. Die Menüfolge ist fein aufeinander abgestimmt und perfekt abgerundet. Nach dem Besuch schwebte ich in eine laue Sommernacht und was dann noch passierte, das behalte ich besser für mich.

Lesen

Ich bin eine Quartalsleserin,  manchmal verschlinge ich mehrere Bücher am Stück, dann wieder liegt ein Stapel angelesen wochenlang auf dem Nachttisch, ohne dass ich daran rühre. Das gilt auch für Kochbücher und Bücher mit kulinarischen Themen. Verschlungen habe ich Christoph Ribbats Lektüre Im Restaurant – eine Geschichte aus dem Buch der Moderne. Ribbat erzählt furios und temporeich von der Entstehung der modernen Restaurantkultur, die auch immer ein Spiegel der Gesellschaft ist. Witzig und lehrreich und mit viel Sympathie für die, die hinter den Kulissen hart arbeiten müssen, damit die Gäste genießen können. Unbedingt lesen!

Ein ungewöhnliches Kochbuch geriet kürzlich zur spannenden Zuglektüre: Fisch aus der Dose von Bart van Olphen.  Das schmale Bändlein ist eines der wenigen niederländischen Kochbücher, die es in deutscher Übersetzung gibt. Es beinhaltet 50 Rezepte eines  unterschätzten Lebensmittels: Dosenfisch. Autor Bart van Olphen setzt sich seit Jahren mit seinem Unternehmen Fish Tales für nachhaltige Fischerei ein. Seine in Dosen verpackten Fische kommen nicht nur aus nachhaltiger Fischerei, sie haben auch genaue Herkunftsbezeichnungen und geben Informationen über die Fischer sowie die schonende Verarbeitung des Produktes. Die Rezepte im Buch reichen von Dorschleber über Klassiker wie Sardinen, Thunfisch und Muscheln. 2017 wird aus diesem Buch gekocht.

Sehen

2016 war das Jahr meiner ersten live TEDx Events. Meine Tochter ist im Organisationsteam der TEDx TUM Konferenz an der technischen Universität München und so besuchte ich  2016 gleich zweimal einen TEDx Event. TED steht für Technology, Education and Design. Die unabhängige Organisation hat sich dem Ziel verschrieben, gute Ideen zu verbreiten. Das Format ist überall auf der Welt gleich: kurze Vorträge zu allen möglichen Themen unter der Sonne  bringen das Publikum zum Nachdenken, zum Kommunizieren und zur Erweiterung des Horizonts.  Das mit der Erweiterung des Horizonts hat bei mir super funktioniert. Ich bin bekanntermaßen kein Vogelfan, aber  Zoologin Auguste von Bayern mit ihrem Vortrag über die Intelligenz von Rabenvögeln hat mich eines Besseren belehrt.  Während sie referierte, zog ihr schwarzgefiederter Gefährte es vor, einige Runden im Audimax zu drehen, sich dann auf einem Scheinwerfer niederzulassen und der Chefin mitzuteilen, dass es ihm langweilig sei. Nebenbei erfuhr ich auch noch, dass Rabenvögel ähnliche Gehirnleistungen vollbringen können wie Affen. Nie wieder werde ich Vögel fade finden.

Ums Sehen geht es auch im neuesten Museum der Niederlande, das quasi direkt vor meiner Haustür steht: Museum Voorlinden in Wassenaar. Im September 2016 wurde es eröffnet und hat sich in nur wenigen Monaten zum absoluten Publikumsmagneten entwickelt. Das liegt einmal an dem architektonisch grandiosen Gebäude und zum anderen an den außergewöhnlichen Exponaten. So gab es zum Beispiel eine riesige Wandinstallation aus Beduinenkochtöpfen der saudischen Künstlerin Maha Malluh.

Kunst Maha Malluh

Das Voorlinden liegt in einem weitläufigen Park, der zum Spazierengehen geradezu herausfordert. Unbedingt hingehen, wenn ihr in der Gegend seid.

Hören – Kochblogradio

Seit zwei Jahren berichte ich für den Websender kochblogradio.de als Foodkorrespondentin über Kulinarisches aus den Niederlanden und der Welt. Gründer Tim Faber und Chefredakteur Roland Rosenbauer sind zwei passionierte Radiomacher, die mit Herzblut und viel persönlichem Einsatz bei der Sache sind. Kochblogradio lebt von Musik und den tollen Beiträgen meiner bloggenden Kollegen und Kolleginnen, unter anderem Astrid Paul, Claudia Zaltenbach, Petra Holá-Schneider, Ariane Wirth-Piller, Dorothée Beil und Petra Herrmann. 2017 werde ich verstärkt als Lifestyle Redakteurin über Kultur, Reisetipps und Trends aus den Niederlanden berichten. Tune in!

Lobhudelei

Ich bedanke mich bei allen Leserinnen und Lesern die dem Blog letztes Jahr die Treue gehalten,  kommentiert und kritisiert haben. Es macht Spaß, für Euch zu schreiben und ich will das auch im neuen Jahr wieder mit Lust und Leidenschaft tun. Zudem wird es mehr Videos geben, sobald ich die Technik unter Kontrolle habe. (Ich hoffe, das passiert noch in diesem Jahrhundert!) Lacht und lebt und lasst Euch nicht unterkriegen!

 

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