Sankt Petersburg: Weiße Nächte, goldene Kirchen und roter Kaviar

Sankt Petersburg: Weiße Nächte, goldene Kirchen und roter Kaviar

Es gibt Städte, von denen träumt man, ohne dass man weiss warum und ohne je vorher dort gewesen zu sein. Sankt Petersburg ist für mich so eine Stadt. Schon seit Ewigkeiten stand die Metropole an der Mündung des Flusses Neva auf meiner Reise-Wunschliste.

Zauber der Sankt Petersburger Nächte

Das Leben und andere Kleinigkeiten kamen immer wieder zwischen mich und diesen Wunsch, aber vor ein paar Wochen war es endlich soweit – ich freute mich auf zweieinhalb Tage in der nördlichsten Millionenstadt der Welt. Dass daraus nur zwei Tage wurden, daran war ein verspäteter KLM -Flug von Amsterdam nach Paris schuld, durch den ich meinen Anschlussflug nach Sankt Petersburg nicht mehr erreichte. Statt schon am Nachmittag durch die weitläufigen Straßen der Stadt zu flanieren, verbrachte ich den Tag in einer muffigen Wartehalle und ärgerte mich. Im Lauf des Nachmittags wich dieser Ärger dank einiger Trost-Macarons und der Aussicht auf ein echtes russisches Abendmahl mit einem Schluck Wodka langsam wieder der Freude.

Russische Küche

Ich war noch nie vorher in Russland und wirklich neugierig, ob sich meine unbestimmten und auf nichts weiter als auf einige Artikel und Erzählungen gründenden Vorstellungen von Sankt Petersburg erfüllen würden. Als ich nach der Landung spät am Abend aus dem Flughafen in die samtig und bläulich transparent schimmernde Nacht trat, wusste ich augenblicklich, ich würde diese Stadt mögen.

Weiße Nächte Sankt Petersburg

Dieses ganz spezielle Licht der weißen Nächte war für mich eine Offenbarung, vom ersten Augenblick an. Es versetzt die Stadt in der Zeit zwischen Dämmerung und Morgen in eine seltsam unwirkliche, verzauberte Zwischenwelt, in der alles möglich scheint. Straßen und Gebäude wirken wie eine riesige Bühne, auf der der Regisseur vergessen hat, nach der Aufführung den Scheinwerfer auszuknipsen; auf der sich die Einwohner wie Schauspieler bewegen, die aus ihren Rollen treten und sich neu erfinden. Und ich mittendrin, bei Pelmeni, Blini und rotem Lachskavier – Klischee pur und doch, es fühlte es sich großartig an.

Russische Küche

Einfach, stilvoll oder nostalgisch – Sankt Petersburger Restaurants

Gut bis großartig schmeckten nicht nur die erwähnten Klassiker, sondern eigentlich alles, was ich verspeiste und trank. Zum Beispiel die Piroggen und der typische russische Kwas,  ein Erfrischungsgetränk aus vergärtem Brot. Das und mehr gibt es in einfachen Imbissen, die ϹТОЛОВАЯ (spicht man STOLOVAYA) genannt werden und in ganz Russland verbreitet sind. Sie bieten günstig Landes-Küche an, variieren aber in der Qualität. Alexia, meine temporäre Stadtführerin, wusste natürlich, wo ich nicht enttäuscht werden würde!

Kwas und Piroggen

Ausgezeichnet waren auch die Speisen im Restaurant Gogol, in dem noch die Zeit des alten Zarenreichs fortzuleben scheint. Von außen wirkt das Lokal recht unscheinbar, aber innen geht es distinguiert und stilvoll zu. Zu Klaviermusik, natürlich live von einer eleganten Pianistin eingespielt, wird feine russische Küche serviert: zum Beispiel der pochierte Stör, den ich zum ersten Mal goutierte.

porchierter Stör Sankt Petersburg

Herzhaft und sättigend sind dagegen Pelmeni, kleine gedämpfte Teigtaschen, ähnlich den chinesischen Dumplings, von denen sie auch abstammen. Die Füllung besteht aus Lachs, Pilzen oder Hackfleisch; serviert werden sie frisch dampfend mit Sauerrahm. Besonders gut schmeckten sie mir  im  Restaurant Idiot. Dort kehrte ich nach einem fantastischen Cello-Konzert im Konzertsaal des weltberühmten Marinski-Theaters ein. Das Lokal ist nach dem berühmten Roman von Fjodor Dostojewski benannt und kokettiert nostalgieverliebt mit den Ikonen revolutionärer Tage, Leninbüste inklusive. Das Setting ist aber durchaus charmant, die Kellnerin sprach akzentfreies bestes Englisch und die Pelmeni waren wie gesagt sehr gut.

Restaurants Sankt Petersburg

Natürlich habe ich ob der Vielfalt der russischen Küche in der kurzen Zeit nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt, aber dem Ruf, dass sie schwer, derb und einfach sei, kann ich nicht wirklich zustimmen. Natürlich gibt es raffiniertere Länderküchen, aber ich mochte das Essen, vor allem den mir bis dahin unbekannten Stör.

Caféhauskultur gegen Wetterdepression

Die Sankt Petersburger sind auch große Kuchenliebhaber, feine Torten und Süßgebäck von ausgezeichneter Qualität gibt es überall in der Stadt. Die vielen Cafés erinnern an die Wiener Kaffeehauskultur, was durchaus Sinn macht, denn in der Stadt gibt es pro Jahr nur 60 Sonnentage. Die Winter sind lang, klirrend kalt und dunkel dazu. Da hilft ein Stück Kuchen zumindest über die Wetter-Depression hinweg, die sich dann bestimmt einschleicht.

Bunte Zwiebeltürme und ein atemberaubender Blick über Sankt Petersburg

Ich hingegen hatte das Glück von zwei sonnigen und frühlingsmilden Tagen, was ich umso mehr schätzte, als  Alexia erzählte, dass in der Woche vor meinem Besuch noch die Schneeflocken über den Platz vor der Hermitage gewirbelt waren. Neben der obligatorischen Hermitage-Tour war die Besichtigung der Blutskirche ein Erlebnis der besonderen Art.

Kirchen Sankt Petersburg

Selbstbewußt steckt sie ihre bunten Zwiebeltürme in den Himmel. Innen sind Wände und Deckengewölbe komplett mit Mosaiken bedeckt, deren überbordendes Gold und Blau meine Augen zu optischen Höchstleistungen trieb.

Kirchen Sankt Petersburg

Kaum zwei Meter hinter dem Ausgang machten fliegende Händler der himmlischen Pracht ein schnelles Ende. Mit Kaffeetassen auf denen Putin und Trump in schöner Einigkeit prangen, und anderen Kitschsouvenirs versuchten sie, die Kundschaft anzulocken, allen voran die Groß-Gruppen von chinesischen Touristen, die mit Selfie-Sticks bewaffnet alles knipsten, das nicht bei drei aus dem Schusswinkel des Handys verschwunden war.

Atemberaubendes Stadtpanorama

Nach so viel Touristenrummel war es mir ein Bedürfnis, den Blick bei Sonnenuntergang entspannt über die Stadt schweifen zu lassen. Dazu kletterte ich die über 562 Stufen zur Kuppel der Isaaks-Kathedrale hinauf. Gut, dass ich Sport mache, denn beim Aufstieg kommt das Herz ganz schön auf Touren.

Kuppel Isaakskathedrale

Die grandiose Aussicht lohnte die Mühe mehr als tausendfach. Die Kuppel ist mein definitiver Lieblingsplatz in Sankt Petersburg, denn von hier hat man einen 360 Grad Panoramablick über die Dächer der Stadt, der einfach nur atemberaubend ist.

Blick von der Isaakskathedrale

Wasser und Brücken

Eine gegensätzliche, aber nicht minder spannende Ansicht der Stadt bekam ich vom Wasser aus. Nach einem Ausflug zum Peterhof, dem Sommerpalast des Zaren Peter I, nahm ich eines der Hydrofoil-Boote zurück in die Stadt. Eine flotte Fahrt über den finnischen Meerbusen und unter berühmten Sankt Petersburger Brücken hindurch endete am Kai des Flusses Neva direkt gegenüber der Hermitage. Unbedingt zu empfehlen!

Fazit

Mein Fazit nach zwei sehr intensiven Tagen in Sankt Petersburg: es ist eine besondere Stadt, eine Stadt voller Kultur, eine Stadt im Aufbruch, eine Stadt voll Lebenslust, eine elegante Stadt – eine Stadt zum Träumen. Ein Stück Russland, das sehr zugänglich ist und das mir Lust auf weitere Reisen machte, unabhängig von der weltpolitischen Gemengelage.

Isaakskathedrale Sankt Petersburg

Reisetipps

Die Sankt Petersburg-Reise habe ich individuell organisiert. Das war gar nicht so aufwendig. Flüge und Hotelbuchung waren unproblematisch. Nach der Zimmerreservierung fragte ich beim Hotel nach einem Brief mit der Buchungsbestätigung. Diese ist unter anderem für die Beantragung des Touristenvisums nötig.  Den Visaprozess selbst wickelte ich in Den Haag über eine Agentur ab.

Private Führungen und die individuelle Zusammenstellung von einzelnen Bausteinen organisierte ich über die Webseite Russland mal anders und via Alexia (Александра Тимофеева, email: du_kannst_alles@mail.ru).  Sie und die jungen Mitarbeiterinnen des Reisebüros sprechen hervorragend deutsch und gehen auf individuelle Wünsche ein.

Ein Sankt Petersburg-Besuch ohne den Besuch eines Konzerts oder einer Ballettaufführung wäre nicht vollständig. Das berühmte Haus hat eine englischsprachige Webseite, auf der man Karten direkt online bestellen kann. Das geht ganz einfach und ist viel günstiger, als diese über eine Vermittlung zu kaufen.

Meine Reiseleiterin Alexia organisiert

Essen und Trinken

Hier noch eine Liste der Restaurants, die ich besuchte:

Restaurant Gogol
Malaya Morskaya 8
Sankt Petersburg
Restaurant Idiot
Embankment river Moyka 82
Sankt Petersburg
Cafe The Home of Happiness
Malaya Morskaya 24
Sankt Petersburg
ϹТОЛОВАЯ
Nevsky Prospekt 11
Sankt Petersburg

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