Jahresrückblick 2017

Jahresrückblick 2017

Ja ist es denn schon wieder zu Ende dieses 2017? Zummm, war das Jahr schnell vorbei und der Jahresrückblick 2017 will geschrieben werden. Man sagt ja, dass die Zeit schneller vergeht, wenn man älter wird – aber liebe Zeit, so schnell, wie du dich anfühlst, so alt bin ich noch nicht! Vielleicht liegt dieser gefühlte Sauseschritt unter anderem daran, dass ich dieses Jahr so viel unterwegs war, wie schon lange nicht mehr. Das war manchmal anstrengend, aber immer inspirierend und spannend! 

Kulinarische Reisen

Los ging es im Mai mit einer Reise nach St. Petersburg, einem meiner lang gehegten Wunschziele. Und die Stadt hat mich nicht enttäuscht: “Dieses ganz spezielle Licht der weißen Nächte war für mich eine Offenbarung, vom ersten Augenblick an. Es versetzt die Stadt in der Zeit zwischen Dämmerung und Morgen in eine seltsam unwirkliche, verzauberte Zwischenwelt, in der alles möglich scheint. Straßen und Gebäude wirken wie eine riesige Bühne, auf der der Regisseur vergessen hat, nach der Aufführung den Scheinwerfer auszuknipsen; auf der sich die Einwohner wie Schauspieler bewegen, die aus ihren Rollen treten und sich neu erfinden. Und ich mittendrin, bei PelmeniBlini und rotem Lachskavier – Klischee pur und doch, es fühlte es sich großartig an.” Diesem Zitat aus meinen Blogartikel habe ich nix hinzuzufügen.

Kwas und Piroggen

Blick von der Isaakskathedrale

Im Juni habe ich mich in meiner Wahlheimat umgeschaut, genauer in Scheveningen. Dort wird jedes Jahr der Vlaggetjesdag gefeiert, der die neue Matjeshering-Saison eröffnet. Mit Gesang und so manchem Bier lassen sich Altfischer und Scheveninger Bürger den “hollandse nieuwe” schmecken. Ich verrate dir, wie aus einem Hering ein Matjeshering wird, wie du einen Matjes in Holland richtig isst und habe auch einige Rezepte für dich parat, zum Beispiel den Klassiker Matjeshering nach Hausfrauenart oder ein feines Matjeshering-Tatar mit Sesamöl. Wenn du 2018 um den 17. Juni in den Niederlanden weilen solltest, dann lass dir den Vlaggetjesdag auf keinen Fall entgehen. Hier lebt die holländische Seele!

Fischerfrau Scheveningen

Altfischer Scheveningen

Vom Meer in die Berge! Ein paar Tage später verbrachte ich ein Wochenende im Fürstentum Liechtenstein. Das kleine Land punktet mit alpin und regional angehauchter Küche, einem kleinen, aber feinen Weinanbaugebiet, spektakulärer Natur und viel Kultur. Vor allem der Arbeiterclub von Alexander Rodtschenko im Kunstmuseum Liechtenstein ist einen Besuch wert. Der Wortführer der russischen Konstruktivisten war in vielen Bereichen ein Visionär und diese visionäre Kraft zeigt sich in der Gestaltung des Arbeiterclubs. Bis ins Detail hinein hat Rodtschenko 1925 eine hochmoderne Begegnungs- und Bildungsstätte entworfen, in der man lesen, schachspielen, diskutieren, theaterspielen und sich entspannen kann. Sehr cool!

Bangshof Rugeller Riet

Fürstentum Liechtenstein

Von den Bergen ging es über den Pazifik zurück ans Meer. Genauer nach Los Angeles. In der Stadt der Engel war ich dieses Jahr sogar zwei Mal. Denn meine Tochter ist für die nächsten fünf Jahre dahin umgezogen. Ich habe dort selbst vor drei Jahrzehnten ein Studienjahr verbraucht und so war es ein sehr emotionales Wiedersehen mit der Stadt. Damals war ich fränkisches Landei kulinarisch ziemlich unbeleckt und dachte, das mexikanische Essen, so wie es in den mexikanischen Restaurants serviert wurde, sei authentisch.

Los Angeles

Mexican Fusion Food Los Angeles

Es gab entweder Fast Food Ketten wie  El Pollo Loco, (die übrigens immer noch im Geschäft ist), oder den Standard-Mexikaner, bei dem alle Gerichte unter einer dicken Käseschicht versanken oder in einem unansehnlichen Bohnenstampf verschwanden. Gewürzt wurde kaum, dafür mit Kalorien nicht gegeizt. Und die Portionen waren schier unbezwingbar.

Das alles ist jetzt anders, ganz anders. Ich war erstaunt, verblüfft und begeistert von der Qualität und Originalität der unzähligen Taco Variationen, die es überall gibt. Los Angeles ist eine Stadt, in der sich alles ständig weiterentwickelt, die voller Energie und Verheißungen steckt. Und in der mittlerweile 40% der Einwohner mexikanische Wurzeln haben. Auch deshalb erobert sich nun die mexikanische Küche endlich den Platz, der ihr zusteht. Ich  prophezeie, dass der Taco Trend die nächste große Foodwelle sein wird, die über den Ozean nach Europa schwappt.

Kulinarische Entdeckungen

Wenn ich ein kulinarische Erfahrung nennen sollte, um 2017 für mich zu beschreiben das sind das Tacos! Sie sind meine neu/wieder entdeckte Leidenschaft. Gegessen habe ich Tacos in Los Angeles in allen Varianten. Vom Street Food Truck in East L.A., dem klassischen mexikanischen Einwandererviertel, über den von mir lang herbeigesehnten koreanisch-mexikanischen Kimchi-Taco bis hin zu neuen frischen Kreationen in einer der angesagtesten Taquerias in Beverley Hills.

Kimchi Taco Los Angeles

Wieder zuhause konsultierte ich erst einmal meine mexikanische Freundin Nancy Villareal, die mir zeigte, wie man Maistortillas selbst macht. Die sind die Ausgangsbasis für Tacos und schmecken selbst gemacht und aus Maismehl natürlich komplett anders, als die Supermarkware.

Rezept Tortillas

Danach bereitete ich Tacos in allen Varianten zu und versuchte mich auch an eigenen Kreationen wie dem Taco mit Pulled Pork Recado Rojo und Guacamole. Den servierte ich in der Küche von Kochblogradio auf der Nürnberger Consumenta im Oktober. Das wunderbare Fleisch kam den Weideschweinen des Schwabhofs in Lieritzhofen. Tacomania mit fränkischem Einschlag!

Recado Rojo Pulled Pork Taco

Ich habe in diesem Jahr an der unendlichen Vielfalt der mexikanischen Küche nur ein wenig gekratzt, mir aber für 2018 vorgenommen, mehr darüber zu lernen. Die nächste Reise nach Los Angeles kommt sicher und auch Mexiko steht auf dem Plan.

Blogempfehlungen

n diesem Jahr möchte ich dir ein paar Blogs empfehlen, auf denen du mehr findest als nur Rezepte. Arianne Wirth-Piller stellt auf ihrem Blog Tra dolce ed amaro (“Zwischen süß und bitter”) italienische Esskultur jenseits der Klischees vor. Arianne lebt seit 1994 in Rom und kann natürlich aus erster Hand berichten. Ich mag die Mischung aus Geschichten, Hintergrundwissen und tollen Rezepten sehr.

Aus meiner fränkischen Heimat berichtet Peter G. Spandl auf seinem Blog Aus meinem Kochtopf über seine kulinarischen Exkursionen durch Franken und den Rest der Welt. Auch bei Peter findest du mehr als nur Rezepte, oft spinnt er um ein Gericht eine persönliche Geschichte, die immer lesenswert ist.

Der dritte Blog im Bunde ist kein Foodblog, sondern ein Reiseblog. Anke Benstem und ihre vier Kolleginnen berichten auf Reisefeder über nachhaltiges, regionales und natürliches Reisen. Gute Tipps für Entdeckungen abseits der ausgetretenen Pfade und für entdeckungslustige Individualtouristen.

Lesen

Ich bespreche auf dem Blog nur Bücher, zu denen ich auf die ein oder andere Weise eine echte Zuneigung entwickle. So wie zu dem Kochbuch Zuhause bei Audrey, in dem Luca Dotti eine kulinarische Biografie über seine Mutter Audrey Hepburn verfasst hat. Unter anderem erzählt er von den harten Kriegsjahren Hepburns in Holland, den sie unter großen Entbehrungen nur knapp überlebte. Eine spannende Lektüre, welche die ganz private Seite der Schauspielerin zeigt.

Luca Dotti Zuhause bei Audrey

Aus der Ausstellung „To Audrey with Love“ – Gemeentemuseum Den Haag

Neugierig war ich auf den ersten Roman von Kochbuchautor Stevan Paul. In Der groβe Glander geht er auf unterhaltsame Weise der Frage nach, was Kochen und Kunst gemeinsam haben. Und wieviel von der einen Sache in der anderen steckt. Geschickt verquickt Stevan Paul die Zeitebenen und Erzählperspektiven und entrollt  dadurch die Lebensgeschichte des jungen Eat-Art Künstlers Gustav Glander, der eines Tages genug hat von dem Hype um seine Person und der deshalb spurlos verschwindet. Wo er steckt und was ihn umtreibt, das versucht der leicht notorische Kunstkritiker Gerd Möninghaus herauszufinden. Die Geschichte bewegt sich mit viel Tempo durch Hamburg, New York und St. Moritz, an den Bodensee und ins Allgäu, und dabei, wie könnte es anders sein bei einem Autor, der gelernter Koch ist, dabei wird natürlich viel gegessen. Anlässlich der Blogparade zum Buch habe ich das Seezungen-Rezept nachgekocht.

Rezept gebratene Seezunge

Kulinarikroman Stevan Paul

Den kulinarischen Bücher-Dreiklang voll macht Verena Lugert mit ihrem Erfahrungsbericht Die Irren mit dem Messer. Die gelernte Journalistin begibt sich im Selbstversuch in die Höh(ll)e der Haute Cuisine Küche und berichtet vom täglichen Kampf mit Zeit, Kollegen und sich selbst. Unbedingt lesenswert!

Sehen

Nach einer langen Zeit des Experimentierens mit unterschiedlichen Designs habe ich seit Mitte des Jahres endlich ein Blogdesign, das mich glücklich und zufrieden macht. Es ist nutzerfreundlich, optisch klar und entspricht visuell dem, was mich als Bloggerin umtreibt. Entworfen hat es Thomas Vonier, bei dem ich mich noch einmal ganz herzlich bedanke!

Letztes Jahr hatte ich angekündigt, auch Video zu produzieren. Das habe ich jetzt kurz vor Jahresschluss auch geschafft. Hier ist mein erstes Kurzvideo: Wie man Kartoffelchips auf dem Teppan Yaki macht: 

Ich behaupte mal, da geht noch mehr!

Hören

Seit drei Jahren berichte ich für den Websender kochblogradio.de als Foodkorrespondentin über Kulinarisches aus den Niederlanden und der Welt. Gründer Tim Faber und Chefredakteur Roland Rosenbauer sind zwei passionierte Radiomacher, die mit Herzblut und viel persönlichem Einsatz bei der Sache sind. Kochblogradio lebt neben der Musik von den tollen Beiträgen meiner bloggenden Kollegen und Kolleginnen. 2017 habe ich den kleinen, aber feinen Blogevent Jazzy Dishes in Kooperation mit Kochblogradio veranstaltet.

EINTOPFHEIMAT Blogevent

Dabei haben Blogger zu Jazzmusik gekocht und waren mit ihren Rezepten und ihrer Musikauswahl auf Kochblogradio zu hören. In beiden Disziplinen geht es um Handwerk und Improvisation, denn ein Rezept lebt erst durch die individuelle Interpretation des Kochs oder der Köchin. Wie beim Jazz glänzen auch beim Essen manchmal die Solisten – Zutaten, die im Mittelpunkt stehen. Und es gibt die Ensemble-Spieler,  die erst durch das aromatische Miteinander.

Lobhudelei

Ohne Leser und Leserinnen wäre mein Blog nichts. Deshalb tausend Dank an alle, die mir letztes Jahr die Treue gehalten, kommentiert und kritisiert haben. Es macht Spaß, für Euch zu schreiben. Ich werde Euch auch im neuen Jahr mit kulinarischen Geschichten und Gerichten versorgen! Tot ziens! Bleibt EIN TOPF HEIMAT gewogen!

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