California Kitchen 2018 – Kulinarische Reiseimpressionen

California Kitchen 2018 - Kulinarische Reiseimpressionen

California Kitchen 2018: auf unserer Reise durch das Land of Plenty von Los Angeles nach Dan Diego und von Joshua Tree nach Big Sur haben wir uns durch alle möglichen Küchen gefuttert und dabei einfache und ausgefallene, traditionelle und modere Restaurants abseits der Tourismusrouten entdeckt. Zum Beispiel das Fish 101 an der Highway 101 in Encinitas kurz vor San Diego, das fantastische Fish Tacos serviert. Nachhaltiger Fang, absolute Frische und eine einfache, aber sorgfältige Zubereitung – mein Urteil – absolute Spitze! Zu verdanken hatten wir diesen und viele weitere Tipps meiner Tochter.

Fish Restaurant Fish 1010

Fish Tacos bei Fish 101

Sie lebt seit einem Jahr in Los Angeles und hatte als echte Food Enthusiastin natürlich Insidertipps. Ich habe zwar vor gut drei Jahrzehnten ein Jahr bei Los Angeles studiert, aber meine kulinarischen Erinnerungen sind nur noch sehr beschränkt verwertbar. Dank Katharina bekamen wir viele aktuelle Einblicke in den Bauch des Golden State. Es war eine absolut spannende Reise mit neuen Erkenntnissen, von denen eine am meisten überraschte: wie sehr sich über das Essen die zunehmende soziale und ökonomische Spaltung der amerikanischen Gesellschaft beobachten lässt. Aber auch, wie viel Kreativität und Enthusiasmus in der kalifornischen Foodszene herrschen.

Whole Food und Stock Food

Der Ess-Tempel der Fitten, Achtsamen und Wohlhabenden ist die Bio-Supermarktkette Wholefoods, die vor kurzem Amazon übernommen hat. In den modernen, riesigen Märkten findet man alles, was unter der kalifornischen Sonne biologisch angebaut und verarbeitet wird. Zu stolzen Preisen allerdings. Da kostet eine frisch gemachte Guacamole im Becher schon mal $12. Und dementsprechend sieht auch die Kundschaft aus. In „active wear“ Klamotten kommen die Kunden hier von der Yogastunde oder dem Personal Trainer, um einen Kombucha Tee oder ein paar Blätter Kale zu shoppen.

Kalifornischer Kale

Zudem gibt es ein Riesenangebot an frisch zubereiteten Speisen, eine umfassende Salattheke und einen Tacostand. Hier werden Lebensmittel zum Statussymbol für diejenigen, die es sich leisten können. Die Waren, das muss ich zugeben, sind superfrisch und bei Gemüse und Obst auch zum größten Teil lokal. Beeindruckend und beeindruckend teuer ist die Käseabteilung, die aber zumindest durch eine riesige Auswahl glänzt. Das Gute: es gibt jede Woche vor allem bei Obst und Gemüse günstige Angebote, aber dann muss man auch selbst kochen. Eine Komplettversorgung – inklusive der Vielzahl von frisch zubereiteten Gerichten asiatischer, mediterraner oder mexikanischer Natur – das geht hier echt ins Geld. Selbst für Mittelklasse-Familien ist das zu teuer, wie mir ein befreundeter Professor bestätigte.

Kalofornische Nektarinen

Das ziemlich exakte Gegenteil von Wholefoods ist die Kette Dollar General, die das ländliche Amerika bedient. In den drei Märkten, die ich besuchte, gab es kein frisches Obst und Gemüse im Angebot, sondern hauptsächlich die typischen amerikanischen Dosen- und Tütenprodukte. Wer hier kauft, der muss eindeutig aufs Geld achten. Die Märkte sind funktional und nüchtern – einen größeren Kontrast zu den weitläufigen Fluren, den Kühlregalen mit Sushi und Sashimi, die Wholefoods anbietet, gibt’s wohl nicht.

Ich glaube, dass man durch die Esskultur sehr viel über ein Land lernen kann, und dieser Kontrast, der sagt mehr aus über das Verhältnis des ländlichen zum urbanen Amerika, als viele abstrakte Analysen es vermögen. Und er ist beängstigend, denn dass sich dieser monetäre und auch ideologische Gegensatz in naher Zukunft auflösen wird davon gehe ich nicht aus. Die Vereinigten Staaten sind nach meinem Eindruck mehr denn je ein gespaltenes Land, von der Metapher des Schmelztiegels, in dem jeder sein Glück machen konnte, ist nicht mehr viel übrig. Aber vielleicht stimmte dieses Bild immer schon nur in den urbanen Ballungsgebieten an den Küsten? Vielleicht war der amerikanische Traum immer schon hauptsächlich ein Traum und nur die Möglichkeit, dass er wahr werden könnte, hielt ihn am Leben. Fährt man ins Hinterland von Los Angeles Richtung Osten und nimmt die Nebenstraßen, dann wird einem schnell klar, dass große Teile der amerikanischen Landbevölkerung diesen Traum nicht mehr träumen. Kilometerlange Orangenplantagen und endlose Getreide- und Gemüsefelder geben nur das Versprechen von harter Arbeit ab und die trostlosen kleinen Dörfer, die in der Sommerhitze schwitzen, strahlen keinen Funken Zuversicht aus. Trotz des landwirtschaftlichen Umfeldes ist hier das höchste der Kulinarik-Gefühle MacDonalds oder Wendy’s. Oder wenn man Glück hat, die Kette In-n-Out Burger, die wie der Name schon sagt, Burger anbietet. Die allerdings sind aus frischem lokalen Rindfleisch und auch die Pommes werden vor Ort geschnitzelt und dann direkt verarbeitet.

California Kitchen 2018: Farmer‘s Market und Gemeinschaftsgefühl

Bei der Fahrt vorbei an endlosen Feldern und Obstplantagen wurde mir erst richtig bewusst, welch wichtige Rolle die Agrarindustrie in den USA spielt, wie sehr sie von konventionellen Anbaumethoden bestimmt ist und welche riesigen Mengen produziert werden. Neben diesen landwirtschaftlichen Großproduzenten wirken die kleinen lokalen Erzeuger, die ökologischen Anbau betreiben, wie Ameisen. Allerdings gibt es mittlerweile eine ganze Armee und wie die Ameisen sind sie als Gemeinschaft durchaus erfolgreich. Wöchentliche Farmer‘s Markets, auf denen Biokräuter, Gemüse, Obst und Honig angeboten werden, haben wir mehrmals besucht, zum Beispiel in Manhattan Beach und in San Louis Obispo.

Farner's Market Kaliornien

Grillhühncen Kalifornien

Diese Märkte sind Besuchermagneten, die Atmosphäre ist entspannt und dort spürte ich auch so etwas wie Gemeinschaftssinn. Ich habe das Gefühl, diese Events erinnern die Menschen wohl ein bisschen an das alte Amerika, an eine Zeit, in der man neben einer Waffe auch einen Garten hatte.

Farm to Table

Lokal einkaufen und kochen, dieses Konzept praktizieren immer mehr Restaurants in Kalifornien. Farm to Table nennt man es hier, in meiner fränkischen Heimat heißt es Heimat auf dem Teller. Klingt nicht so schick, ist aber dasselbe. Ein wirklich schönes Farm to Table Restaurant hat mir meine Tochter gezeigt: Malibu Farm. Malibu ist ja eher als Wohnort der Reichen und Berühmten bekannt, aber es gibt abseits der Küste in den Bergen eine ganze Community von Kleinerzeugern: Imker, Winzer, Käser und viele mehr. Mitten in dieser Gemeinschaft lebt Helene Henderson auf einer Farm mit Mann, Kindern, Ziegen, einem Schwein und einem Haufen Hühner. Die gebürtige Schwedin mit amerikanischem Vater kam mit einem One-Way Ticket nach Kalifornien. Mit ihrem Hintergrund in der Gastronomie arbeitete sie zunächst im Catering-Bereich und nach dem Kauf der Ranch im Hinterland von Malibu als Privatköchin. Kochkurse für Freunde folgten, dann informelle Dinners auf der Farm, bei denen sie ihre eigenen Produkte zu lässigen, einfachen und gesunden Gerichten verarbeitete und an einer langen Tafel servierte. Pink und Torri Spelling waren unter ihren Gästen und schließlich war die Nachfrage so groß, dass Helene beschloss, die alte verwaiste Pier von Malibu zu neuem Leben zu erwecken und ein Restaurant zu eröffnen, das Malibu Farm.

Farm to Table Restaurant

Das Interieur ist eine Mischung aus skandinavischer Schlichtheit und kalifornischer Lässigkeit. An rustikalen Holztischen sitzt man auf dem Patio und kann in dem grandiosen Blau des Pazifiks versinken.

Farm to Table Restaurant Malibu Farm

Die Speisen sind einfach, aber schmackhaft. Es gibt Sandwiches, Salate, warme Gerichte wie Kürbisspaghetti und ein exzellentes Eis.

California Kitchen: Eiscreme

Die Zutaten dafür kommen nicht mehr nur von der Farm, denn dafür produziert Helene nicht genug, sie arbeitet aber mit vielen lokalen Kleinerzeugern zusammen und achtet auf Frische und Qualität. Zwischen 14 $ und 30 $ kosten die Lunchgerichte, nicht gerade billig und der einzige Wermutstropfen. Wer es günstiger will, der kann am Ende der Pier in ihr Selbstbedienungscafé, hier sind die Gerichte um einiges billiger und der Blick ist mindestens genauso toll.

Ihr merkt schon, mir hat es gefallen, das Malibu Farm. Ein total entspannter Ort, an den jeder so kommen kann, wie er ist. Und eine Oase der Gemeinschaft, in der eigentlich nichts anderes zählt, als der gute Geschmack. Einen Podcast zu der Malibu Farm  findest du auf Kochblogradio.de

Malibu Farm Kochbuch

Es gibt übrigens auch ein Kochbuch gleichen Namens, in dem einige der Gerichte aus dem Restaurant zu finden sind. Toll fotografiert wurden Essen und Farmleben von Martin Löf. Ich konnte nicht widerstehen und habe es mitgebracht und deswegen gibt’s demnächst auch ein Rezept daraus.

Kult Tacos und Demokratie

Und nun noch mal zurück zu den Tacos. Meine Tochter kennt meine Tacoleidenschaft und führte uns zu einem Kulttruck in L.A.: Leo’s Tacos. Einer der vier Trucks steht an der Ecke Venice und  Vermont Bvld. mitten im Verkehrsgetümmel.

California Kitschen 2018: Taco Truck L.A.

Der Truck ist vielleicht einer der wenigen wirklich demokratischen Essplätze in der Stadt, denn hier reihen sich die Besitzer dicker SUVs genauso geduldig in die Schlange wie Bauarbeiter und Kellner; hierher kommen alle, die gutes Essen mögen und alle können es auch bezahlen. Das Angebot ist frisch, gut und billig, ab $ 1 gibt’s die Gerichte schon. Es geht also doch. Qualität und Bezahlbarkeit müssen sich nicht ausschließen.

California Kitchen 2018: Foodtruck L.A.

Gegessen wird im Stehen an einem der Plastiktische oder im geparkten Auto. Los Angeles Street Food, das authentischer nicht sein könnte und auch die Nachtschwärmer bedient. Cool Place – unbedingt ausprobieren!

California Kitchen 2018: Taco al Pastor

Mehr California Kitchen 2018

Mehr über die California Kitchen 2018 und meine Leidenschaft für Tacos findet ihr im Post Los Angeles im Taco Rausch. Und Rezepte gibt es natürlich auch, zum Beispiel für Tacos mit Tinga de Pollo.

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