Der Hongkong-Bäcker von der Maas

Der Hongkong-Bäcker von der Maas

Es ist mein erster Besuch in einer chinesischen Bäckerei. Er findet aber nicht in Asien statt, sondern eine gute halbe Stunde von meinem Haus entfernt, in der Markthal Rotterdam. Verabredet bin ich mit Alexander Wong, der dort die Mei Sum Bäckerei betreibt und sich auf Backwaren aus Honkong spezialisiert hat. Eine echte Nische, denn in den gesamten Niederlanden gibt es nur noch zwei weitere chinesische Bäckereien.

Mulikulti-Bäcker

Gutgelaunt begrüßt mich Alex. Der junge Unternehmer ist so urban und multikulturell wie die Stadt, in der er arbeitet. Geboren ist er in den Niederlanden, als Sohn chinesischer Eltern. Eine Ausbildung zum Koch durchlief er in der Schweiz, dann hospitierte er in Rom im drei Sterne-Restaurant La Pergola und sammelte erste Arbeitserfahrung in den Niederlanden. Dieser vielversprechenden Karriere in der Topgastronomie sagte er adieu, als sein Vater vor vier Jahren eine chinesische Bäckerei in Rotterdam kaufte. Kein einfacher Schritt, aber Alex ging ihn, entschlossen und mit einem Marketing-Konzept in der Tasche.

steinbauer-groetsch©2014

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Spezialitäten aus Honkong

Qualität, ausgeklügelte Rezepte und ein sehr günstiger Preis zeichnen die Mei Sum Produkte nach einem kompletten Revamp des alten Back-Konzeptes heute aus. Alexander und sein Team backen jeden Tag frisch, ohne Konservierungsstoffe oder MSG. Das Sortiment ist ausgebreitet und fast pan-asiatisch, der Kern aber besteht aus traditionellen Hongkonger Backwaren, die durch die 150-jährige britische Kolonialzeit und die portugiesischen Einflüsse aus dem nahe gelegen Macao eine ganz eigene Entwicklung genommen haben. „Diese Tradition ist in Hongkong selbst aber langsam am Aussterben“, sagt Alex mit Bedauern in der Stimme. Wer es sich leisten kann, der kauft heute westliches Brot und Gebäck. Alex jedoch glaubt an das Potential des traditionellen Backstils, dem er vorsichtig den Bedürfnissen seiner Kundschaft angepasst hat. Die Auswahl ist reich und für den ungeübten Käufer wie mich auch ein wenig verwirrend. Glücklicherweise habe ich aber den Experten neben mir, der mich geduldig aufklärt.

Typisch Hongkong sind laut Alex zum Beispiel Cocktail-Buns, die aussehen wie Hotdog-Brötchen, aber mit einer süßen Kokos-Paste gefüllt sind. Oder die Wife-Cookies mit einer Füllung aus Wintermelone, Mandelpaste, Sesam und 5-Gewürze Puder, die mich an die niederländischen Mandelkuchen erinnern.

Wife Cookies

steinbauer-groetsch©2014

Die Egg-Tart ist eine Hongkonger Spezialität, die über die Portugiesen auf Macao in die Stadt kam.

steinbauer-groetsch©2014

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Die Pandan-Roll schließlich basiert auf unserer westlichen Biskuitrolle, die mit dem Extrakt des Pandanblattes, der Vanille Asiens, tief grün gefärbt wird.

steinbauer-groetsch©2014

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Geschmackserwartung

Während ich fotografiere, packt Alex eine ganze Schachtel Backwaren für mich ein. Und auch die Kundschaft lässt nicht auf sich warten. Mit 1 Euro pro Stück sind die Teilchen sehr günstig und sie machen richtig satt, wie ich zuhause feststelle. Vieles scheint mir irgendwie bekannt, schmeckt beim ersten Bissen dann aber doch ganz anders. Und so ist mein Mahl nicht nur eine Einführung in die Backkunst aus Hongkong, sondern auch eine Lehrstunde über die Tatsache, wie eng in unserer kulinarischen Erfahrung Aussehen und Geschmackserwartung verknüpft sind.

Chinese baked goods

steinbauer-groetsch©2014

Neugierig geworden? Dann schnell den nächsten chinesischem Bäcker suchen, selber Hand anlegen oder nach Rotterdam fahren.

Markthal Rotterdam
Mei Sum Bakery
Stand Nr. 80

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