Mahlzeit: News und Tipps zum Thema Esskultur

Mahlzeit: News und Tipps zum Thema Esskultur

Was passiert zwischen Waterkant und Bodensee kulinarisch? Auf dem Buchmarkt, in den Restaurants und auf den Straßen? Drei Tipps habe ich in dieser Dezemberausgabe von „Deutschland isst“ für alle, die noch auf der Suche nach einem besonderen Geschenk sind, die sich selbst etwas Gutes tun möchen oder die einfach neugierig sind. Das Motto heisst Esskultur.

Esskultur in Bildern: Mahlzeit, Deutschland!

mahlzeit_titel_klMahlzeit – das rufen sich Millionen Deutsche täglich zwischen 12 und 13 Uhr auf Bürofluren und in Betriebskantinen zu. Das Wort ist Grußformel, guter Wunsch und Erwartungshaltung zugleich und umfasst das Thema Essen in seiner ganzen Vielfalt. Es gibt also keinen passenderen Titel, wenn deutsche Fotojournalisten sich aufmachen, um das kulinarische Leben der Republik zu erkunden. Herausgekommen ist dabei das 450 Seiten dicke Buch Mahlzeit, Deutschland! Gestaltet wurde es von 187 Fotojournalisten und Fotografen des Berufsverbandes FREELENS, dem größten im Land mit rund 2300 Mitgliedern. Eine Fachjury wählte die Beiträge aus; die visuelle Bestandsaufnahme der deutschen Esskultur ergänzen zehn kurze Essays, unter anderen von Thilo Bode, Gunter Frank und Sarah Höchstetter.

Um es gleich vorweg zu schicken: Das Buch ist kein typisches Hochglanzfotobuch für den Kaffeetisch und es hat wenig mit der Ästhetik der gängiger Foodzeitschriften zu tun. Viemehr geht es laut Projektleiterin Paula Tamm um diese Frage: „Wie – und was – isst Deutschland wirklich?“

Diesem umfassenden Anspruch wird Mahlzeit, Deutschland! durchaus gerecht. Die stilistisch und inhaltlich sehr unterschiedlichen Bildreportagen zeigen auf einrückliche Weise, was Essen und Esskultur heute in Deutschland bedeuten. Der Einblick in eine moderne Großschlachterei findet dabei genauso Platz wie der Alltag in einer kleinen Fleischerei in Berlin Wedding. Regionale Besonderheiten wie die Wahl der Thüringer Wurstkönigin oder das Schachtfest an der Trifelsblickhütte bei Gleisweiler wechslen sich ab mit Fotos von Imbissketten und Großmarkthallen.

Photo: Andres Hub/mit freundlicher Genehmigung

Photo: Andres Hub/mit freundlicher Genehmigung

Essen als Spiegel einer ethnisch und religiös diversen Gesellschaft, auch das ist in Mahlzeit, Deutschland! ein zentrales Thema. Zu sehen in Gesche M. Cordes Bildern eines jüdischen Pessachfestes in oder in Kaveh Rostamkhanis Foto vom Fastenbrechen einer moslemischen Gemeinde in Hannover-Linden. In diese Reihe passt auch der Essay von Tom Hillenbrand, der der Frage nachgeht, warum wir eigentlich immer erwarten, dass eine bestimmte Landesküche nur von eben jenen Landleuten zubereitet wird.

Dass sich im Essen auch der soziale Status und der Wohlstand beziehungsweise die Armut eines Landes ausdrücken, zeigen die Fotos von Katrin Neuhauser und Isabel Winarsch. Poträts von Bäckern, Metzgern und Winzern spiegeln den Stolz von Handwerkern, die ihren Beruf ernst nehmen und mit großem Fachwissen eine Vielzahl qualitativ hochwertiger Nahrungsmitteln erzeugen.

Natürlich darf in der langen Reihe der Nahrungsversorger eineklassische Institution nicht fehlen: der Tante-Emma-Laden. Fotograf Thomas Geiger poträtierte eine der kleinen, aber wichtigen Säulen dörflicher Grundversorung im fränkischen Engelthal bei Nürnberg: „Immer wenn ich im Laden war, dachte ich mir, den musst du mal für die Nachwelt festhalten. Als ich erfuhr, dass die Besitzerin mit Vornamen tatsächlich Emma heisst, war die Entscheidung einfach.“

Photo: Thomas Geiger / mit freundlicher Genehmigung

 

Es sind Reportagen wie diese, die Mahlzeit, Deutschland! spannnd machen und die zeigen, wie vielfältig das kulinarische Kaleidoskop von der Nordsee bis zu den Alpen ist. Professioneller Bildjournalismus, der nicht reisserisch daher kommt, sondern umsichtig und mit klarem Blick eine Bestandsaufnahme der Esskultur in Deutschland zeichnet. Ein Buch, das man sicher nicht nur einmal in die Hand nehmen wird.

Paula Tamm/FREELENS (Hg): Mahlzeit, Deutschland! Erschienen im dpunkt.verlag. 39,90 Euro (D) / 41,10 Euro (A). 448 Seiten, Farbe, Festeinband, ISBN: 978-3-86490-012-9

Esskultur live: Kulinarische Stadtrundführungen

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Ob Auslandsdeutsche auf Heimatbesuch, ob Städtereisende oder Eingesessene – eat-the-world bietet Stadtführungen für Genussfreunde jeder Coleur. Dabei stehen nicht bekannte Kirchen oder Museen im Mittelpunkt, sondern die kulinarischen Besonderheiten eines Stadtviertels und kulturelle Orte abseits der ausgetretenen Toursitenpfade. So können die Teilnehmer eine Stadt oder ein Viertel über den Geschmack und die Menschen erschmecken und erspüren.

Die Geschäftsidee hatte Gründerin Elke Freimuth, nachdem sie eine Zeit in New York gelebt und dort das Verschwinden von vielen kleinen Familienbetrieben in ihrem Viertel beobachtet hatte. Zurück in Deutschland startete sie 2008 in Berlin die ersten kulinarischen Stadtführungen mit dem Ziel, kleine Betriebe mit guter Qualität aus der Gastronomie und Kulinarik zu unterstützen. Mit Karin Buck, die von Anfang an dabei war, entand 2010 ein nationales Franchisekonzept, das Angebot wurde auf weitere deutsche Städte ausgedehnt. Heute führt eat-the-world durch Berlin, Bremen, Dreden, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Münster. Buchbar sind die Touren auf Deutsch und Englisch.

Ungefähr sechs bis sieben Probier-Stopps steuern die Stadtführer/innen während einer Tour an. Karin Buck: „Die Lokalitäten sind je nach Stadtviertel ganz unterschiedlich und reichen von schicken Feinkostläden über szenetypische Cafés und internationale Restaurants bis hin zu orientalischen Imbissen und traditionsreichen Kuchenhäusern. Wenn möglich gehen wir auch in eine Bäckerei oder Fleischerei und probieren die Spezialität des Hauses.“ Bei „Häppies“ am Prenzlauer Berg zum Beispiel gibt es einen Minigermknödel names „Bärbel“mit einer Ziegenkäse-Honig-Walnuss-Füllung, dazu Rucolapesto und Cranberries für die geneigten Besucher.

Auf dem Programm von eat-the-world stehen Touren durch bekannte Viertel wie München-Schwabing oder das Hamburger Schanzenviertel. Wer sich für das Frankufter Nordend, Hannover-Linden oder Münster interessiert, kommt aber ebenfalls auf seine Kosten. Über eine Suchmaske auf der Weseite findet man Lokalitäten und Termine, sowie detaillierte Information zu den Routen und den Verkostungen. Die Kosten pro Erwachsenen betragen 30 Euro, Kinder zahlen die Hälfte. Buchungen sind bis zu einer Stunde vor Führungsbeginn möglich.

Esskultur im Museum: „Is(s) was? Essen und Trinken in Deutschland“

a075edf66cZum Schluss noch der Hinweis auf eine Ausstellung zum Thema Essen und Trinken im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig.
Mit insgesamt über 1.200 Objekten zeigt die Schau Is(s) was?! Essen und Trinken in Deutschland die ganze Bandbreite der Ernährungsgewohnheiten des Landes. Besucherinnen und Besucher begegnen Alltäglichem und Kuriosem rund um ihr tägliches Essen.
Zu sehen sind unter anderem das Gästebuch es wahrscheinlich ersten italienischen Restaurants in Deutschland, eine Deko aus dem ersten japanischen Restaurant der DDR, dem Carsten Fiebeler in seinem Film Sushi in Suhl ein Denkmal gesetzt hat und, als besondere historische Rarität, das erste deutschsprachige Kochbuch aus dem Jahr 1350 – das „Buch von guter Speise.“

Die Wechselausstellung noch bis zum 2. Februar 2014 im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu sehen. Der Eintritt ist frei.

 

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