Die Vliet: Kulinarik auf dem Wasser

Die Vliet: Kulinarik auf dem Wasser

In einem sind die Niederländer unschlagbar: sie schaffen es, dem größten Feind des Landes, dem Wasser, die schönsten Seiten abzugewinnen. Selbst wenn es in Strömen regnet, wie am letzten Samstag. Aber alles der Reihe nach.

Schwimmendes Restaurant

Am vergangenen Wochenende hatten wir anlässlich der „Vliet Dagen“ in Voorburg eine kulinarische Bootstour gebucht, die viel versprechend klang. Fünf Köche renommierter Restaurants aus der Umgebung würden jeweils ein spezielles Gericht zubereiten und den schwimmenden Gästen ans Boot servieren. Wir würden gemütlich über die Wasserstraße tuckern, die im Mittelalter angelegt wurde, um den alten Rhein bei Leiden und die Schie bei Delft miteinander zu verbinden, leckeres Essen und einen schönen Spätsommertag genießen. Meine Vorfreude verwandelte sich  in Skepsis, als ich die dicken Regenwolken sah, die sich am Nachmittag über uns zusammenbrauten. Noch unruhiger wurde ich, als ich Informationsbrief genauer durchlas. Nicht alle Boote seien überdacht.

steinbauer-groetsch©2011

Regen, Regen gehe fort…

Als wir an der Ablegestelle eintrudelten, begann es bereits zu tröpfeln. Die Organisatoren verteilten Regenponchos und munterten die Gäste auf. Aus dem Tröpfeln wurden Tropfen, schwere Tropfen, schließlich strömender Regen. Wir erstanden tapfer eine Flasche Wein und folgten unserer Hostess zum Boot Nummer 10. Ich sah mich schon komplett durchgeweicht übers Wasser schippern, doch wir hatten Glück im Unglück. Zufällig hatte ich eines der wenigen Boote mit Überdachung gebucht.

steinbauer-groetsch©2011

Die Plätze waren eingenommen, die Falsche Wein geöffnet. Mit dem Rest unserer Bootsinsassen, allesamt Holländer, kamen wir „gezellig“ ins Gespräch, während uns der Kapitän zur ersten Anlegestelle unseres Abenteuers kulinarische Niederlande auf dem Wasser schipperte.

Kalbfleisch und Zwiebelkompott

Hier kochte Christian van der Linden, der in Den Haag das Restaurant Christian betreibt, spezialisiert auf biologische, regionale und nachhaltige Küche. Er servierte Kalbfleisch auf drei Arten: als Steak Tartar, mariniert und als kandierte Kalbsleber mit Zwiebelkompott. Ein feiner Start, dem nach meinem Geschmack aber ein bißchen die Würze fehlte.

steinbauer-groetsch©2011

An der zweiten Station hielt Marko Karelse gebackene Scholle mit Kartoffelpüree, Kohlrabi, Nuss-butter, pochiertem Wachtelei und weißer Butter bereit. Er ist Chefkoch in der Villa la Ruche in Voorburg und traf mit dieser Kombination voll ins Schwarze. Der Fisch war auf den Punkt gegart und harmonierte vortrefflich mit den restlichen Zutaten.

steinbauer-groetsch©2011

Am dritten Stopp wartete einer der Topchefs der niederländischen Gastronomie, der Ein-Sterne-Koch Henk Savelberg vom Restaurant Savelberg in Voorburg, mit einer Fischsuppe à la Marseille auf uns. Die klassische Bouillabaisse schmeckte vorzüglich. Einziger Minuspunkt: die Fischeinlagen waren, zumindest in meiner Portion, ganz und gar zerfallen.

steinbauer-groetsch©2011

Der vierte Stopp bei Paul van der Waarden, der in Rijswijk das gleichnamige Restaurant betreibt, verhieß eine weitere Leckerei: gegrille Roulade vom Bauernhuhn mit Knollensellerie-Püree, Le Puy Linsen und einer Steinpilz-Soße. Leider war das Gericht nur lauwarm. Zudem ließ sich die Roulade mit nur einer Gabel schlecht zerteilen. Dafür war es war sehr schön angerichtet und geschmacklich ausgewogen.

steinbauer-groetsch©2011

Sterneküche am Wasser

Nach diesem Gang stellte sich bei mir ein deutliches Sättigungsgefühl ein. Ich hatte jetzt Lust auf einen süßen Abschluss, wurde aber an der letzten Station bei Ein-Sterne-Koch Niven Kunz, Chef im Restaurant Niven in Rijkswijk mit einem Hamburger à la Niven bedacht. Der schmeckte zwar gut, aber nach drei Bissen konnte ich nicht mehr und vergaß  glatt, ein Photo zu machen. Schade. Mit einem kleinen aber feinen Nachtisch wäre die kulinarische Bootsfahrt perfekt gewesen.

eintopfheimat©2011

Kulinarische Leckerbissen

Dennoch – die Idee, verschiedene Köche entlang der Vliet zu positionieren, hat trotz des schlechten Wetters funktioniert. Zwei Stunden auf dem Wasser, kulinarische Leckerbissen en passant und ein paar neue Ideen für den nächsten Restaurantbesuch, das war viel mehr, als ich angesichts der dunklen Regenwolken erwartet hatte. Und noch eine positive Entwicklung bemerkte ich. Alle Köche servierten ihre Gerichte auf Papier- oder Bambustellern und dachten damit auch an die Umwelt. Danke!

 

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