Gouda is(s)t süß: Stadttradition mit Stroopwafel

Gouda is(s)t süß:  Stadttradition mit Stroopwafel

Käse aus Gouda kennt jeder. Eine süße Spezialität bringt man aber nicht direkt mit der Stadt an der Gouwe in Verbindung: die „Stroopwafel“, eine runde Waffel von circa acht Zentimern Durchmesser, die mit Sirup gefüllt wird. Auch ich wusste bis letzte Woche nicht, dass das populäre Gebäck in Gouda erfunden wurde. Aber glücklicherweise klärte mich Mike van den Berg während eines Besuchs bei van Vliet Stroopwafels auf. Eine Waffel backen konnte ich auch.

Gebäck mit Tradition in Gouda

Das Gebäck hat eine lange Tradition. Das älteste Rezept für Stroopwafels made in Gouda stammt aus dem Jahr 1840. Laut dieser Anleitung wurden die Waffeln anfangs aus Teigresten und Krümeln gebacken und mit Stroop, also mit Zuckersirup gefüllt. Sie waren günstig und wurden deshalb auch „Armeleutekuchen“ genannt. Aus der ursprünglichen Billigversion wurde mit den Jahren eine Bäcker-Spezialität mit geheimer Rezeptur, die über die Stadtgrenzen hinaus Bekanntheit erlangte. Angeblich kam sogar der Chauffeur von Königin Juliana regelmäßig nach Gouda, um Waffeln für Ihre Majestät einzuholen.

steinbauer-groetsch©2015

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Urvater der Stroopwafel

Im 19. Jahrhundert gab es über 100 Sirupwaffel-Bäcker in Gouda, die jeweils ihre eigenen Familienrezepte entwickelten. Heute existieren nur noch zwei Unternehmen, in denen tagesfrisch gebacken wird: die Bäckerei van Vlaam, deren Betriebsgeschichte sich bis auf den vermutlichen Erfinder der Waffel, Gerard Kamphuisen, zurückverfolgen lässt. Und die Konditorei van den Berg, die seit 1864 Süßes backt. Die Familie stammt eigentlich aus Stolwijk, dann eröffnete Mike van den Bergs Großvater eine Konditorei in Waddinxsveen. 1989 übernahm Mikes Vater die Stroopwafel-Bäckerei eines Familienfreundes in Gouda, weil dieser keine Nachfahren hatte.

Moderne Produktion

Laden, Lunchroom und Waffelbäckerei von van Vliet / van den Berg liegen in der Lange Groenendaal 32, einer kleinen Seitenstraße unweit des wunderschönen Rathauses von Gouda. Mike van Berg ist Bäcker in der sechsten Generation. Der junge Holländer leitet die mittlerweile automatisierte Waffelproduktion, die sich hinter dem Laden befindet.

steinbauer-groetsch©2015

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Die Maschine, auf der täglich circa 1000 Waffeln hergestellt werden, stammt aus München und wurde speziell auf die Bedürfnisse der Stroopwafel-Produktion zugeschnitten. Mikes Bruder, ein passionierter Bastler, arbeitete selbst an der Entwicklung mit.

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Geheimes Rezept

Die Waffeln von van Vliet haben mit dem ursprünglich kargen Rezept nichts mehr gemein. Reichlich Butter, Mehl, Zimt und vier verschiedene Zuckerarten geben der Leckerei ihren typischen Geschmack. Was genau im Teig ist, verrät mir Mike van den Berg aber nicht, denn die Rezeptur ist geheim und stammt von eben jenem Familienfreund van Vliet, dessen Namen die Waffeln auch heute noch tragen.

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Backerfahrung

Mike zeigt uns aber gleich nebenan, wie man manuell Stroopwafels backt. Zwei Waffeleisen, Teig und Sirup stehen schon bereit. Ich lege mein Teigstück in das 200 C° heiße Eisen, in dem in 35 Sekunden eine perfekte, goldbraune Waffel entsteht.

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Vorsichtig nehme ich das weiche Gebäckstück vom Eisen. Überaschenderweise lässt sich die dünne Waffel problemlos längs in zwei Hälften schneiden.

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Etwas Sirup auf eine Hälfte, beide Teile wieder zusammen legen, gut andrücken und schon ist die Waffel fertig.

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Ich bin ja bekanntermaßen kein ganz großer Fan von Süßgebäck, aber als ich meine noch leicht warme Sirupwaffel im Lunchroom mit einem Tässchen Espresso goutiere, da finde ich sie doch sehr lecker.

Der kleine Unterschied

Übrigens besteht ein Unterschied zwischen Stroopwafel und Stroopkoekje. Die Waffel wird in der Mitte durchgeschnitten und gefüllt, in der zweiten Version werden zwei kleine Waffeln verwendet und mit Karamell verbunden.

Infos zu Gouda und Stroopwafels

Betriebsbesichtigung und Back-Workshop bei van Vliet/van den Berg kann man auf Anfrage buchen. Das ist auch für Kinder eine nette Aktivität.
Stroopkoekjes stellt die Firma Punselie her, die ebenfalls in der Innenstadt von Gouda fertigt. Auch hier kann man Führungen machen.

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Überhaupt mag ich Gouda, weil die Stadt eine sehr entspannte Atmosphäre ausstrahlt. Viele Künstler und Kunsthandwerker haben sich im alten Zentrum angesiedelt, gesellige Cafés laden zum Verweilen ein und Käsespezialitäten aus der Region, die wunderbar würzig schmecken, gibts natürlich auch. Mehr Informationen über Veranstaltungen und Reisetipps findest du auf der Webseite der Stadt Gouda.

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