Kochen in Kuala Lumpur II: Nyonya Sweets

Kochen in Kuala Lumpur II: Nyonya Sweets

Vor meiner Abreise nach Kuala Lumpur fragte mich Rietje, was ich gern mit ihr kochen und kosten wolle. Neben dem malaysisch-indonesischen Beef Rendang aus Sumatra, das ich im letzten Post schon vorgestellt habe, interessierte mich die sogenannte Nyonya Küche, die in Europa noch wenig bekannt ist. Der Begriff bezeichnet die Fusion aus malaysischer und chinesischer Küchentradition, die sich zu einer eigenständigen Richtung entwickelt hat und in Malaysia aber auch in Singapur sehr populär ist.

Nyonya Food

Seinen Ursprung hat Nyonya Food in der ethnischen Gruppe der Peranakan oder Baba-Nyonya, Nachfahren jener Straits-Chinesen, die im fünfzehnten Jahrhundert an den Küsten beiderseits der Straße von Malakka siedelten. Mischehen entstanden zwischen einheimischen Frauen, den Nyonya und chinesischen Einwanderern, den Baba. Die Neu-Siedler nahmen die lokalen Sitten und Gebräuche an, um sich zu assimilieren, behielten aber ihre eigenen religiösen Riten.

Innerhalb der chinesisch-stämmigen Malaysier, die circa 24% der Bevölkerung ausmachen, nehmen die Baba-Nyonya einen Sonderstatus ein. Kennzeichen sind ein eigener Dialekt und eben jene spezielle Nyonya-Mischküche, die in Kulala Lumpur sehr präsent ist.

Besondere „Kuchen“

Rietje, die ja selbst chinesische Wurzeln hat, nahm mich beim Wort und servierte mir bei meinem Besuch gleich eine Auswahl von „Nyonya-Kuchen“, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Die sogenannten „Kueh“ sind keine Kuchen in unserem Sinn, sondern besitzen eine Art Pudding-Konsistenz. Reis oder Reismehl, Klebereis, Tapiokastärke, Kokos und Palmzucker repräsentieren die malaysische Küche, Mungbohnen und rote Bohnen zeigen den chinesischen Einfluss. Für die Farbe sorgen Pandanblätter-Extrakt, Karmin, das aus Cochenilleschildläusen gewonnen wird, und blaue Klitorie, eine subtropische Kletterpflanze.

Auf Rietjes luftiger Veranda mit Blick in den üppigen Garten durfte ich eine Auswahl von Kuehs kosten, dazu eine Tasse Tee. Eine wunderbare Bereicherung meiner kulinarischen Entdeckungsreise durch Südostasien.

Und das gab es auf dem Nyonya-Kueh Teller:

Kueh Bingka

Kueh Bingka steinbauer-groetsch©2014

steinbauer-groetsch©2014

Ein gebackenes Dessert aus Tapiokastärke, Eiern, Kokosmilch und frischer Kokosraspel. Die Konsistenz ist weich, man schmeckt vor allen die Kokos-Nuancen.

Eine intensive gelbe Farbe erhält man durch ein paar Safranfäden.

 

 

 

 

 

Kueh Talam

Kueh Talam steinbauer-groetsch©2014

steinbauer-groetsch©2014

Dieses Dessert wird gedämpft und ist so etwas wie der Klassiker der Kuehs in der Region. Die weiße Schicht besteht aus Kokosmilch und Reismehl, die grüne Lage aus Reis- und Tapiokastärke. Sie wird mit Pandan-Extrakt natürlich eingefärbt. Pandan ist eine weit verbreitete Pflanze mit länglichen Blättern und gilt als Vanille Asiens.

 

Kueh Sarlat

Kueh Sarlat steinbauer-groetsch©2014

steinbauer-groetsch©2014

Das Dessert sieht ähnlich aus wie die Talam Variante. Die weiße Lage besteht allerdings aus Klebereis und Kokosmilch.

Die grüne Schicht ist ein Pudding mit intensivem Pandanblatt-Geschmack.

 

 

 

 

 

Kueh Lapis Sago

Kueh Lapis Sago steinbauer-groetsch©2014

steinbauer-groetsch©2014

Hier geht es farblich ordentlich zur Sache. Pandan-Extrakt und Karmin, das aus Cochenilleschildläusen gewonnen wird, machen das Dessert ziemlich bunt. Auch wieder dabei sind Kokosraspel und Tapioka, das aus der Maniokwurzel gewonnen wird. Das Gericht stammt aus der Stadt Malakka im Westteil der malaysischen Halbinsel an der Straße von Malakka.

 

Kueh Pulut Lopes

Kueh Pulut Lopes steinbauer-groetsch©2014

steinbauer-groetsch©2014

Dieses Kueh schmeckte mir persönlich am besten. Es wird aus Klebereis gemacht, der gekocht und dann mit dem Blütenextrakt der blauen Klitorie (bunga telang) besprenkelt wird.
Man isst es häppchenweise mit einem Dipp aus Palmzucker und Kokosraspel.

 

 

 

 

 

Toller Trick

Übrigens habe ich von Rietje bei der Gelegenheit noch einen super Anti-Ameisen-Servier-Trick gelernt. Um die süßen Leckereien zu schützen, stellte sie den Teller etwas erhöht in eine große Schale, die mit Wasser gefüllt war. Keine Chance für die Krabbler!

steinbauer-groetsch©2014

steinbauer-groetsch©2014

 

Wer die Desserts zubereiten möchte, der findet auf dem Blog Kitchen Tigress viele der Rezepte.

Schreibe einen Kommentar