Rembrandt van Rijn und Wein aus Limburg: Das neu eröffnete Rijksmuseum

Rembrandt van Rijn und Wein aus Limburg: Das neu eröffnete Rijksmuseum

Selbst das Wetter im regengewohnten Amsterdam wollte kein Spielverderber sein. Als Königin Beatrix am Samstagmittag kurz vor zwölf Uhr Mittag aus dem Rijksmuseum auf den langen orangefarbenen Laufsteg trat, blitzte die Sonne vorsichtig aus den Wolken. Zusammen mit Direktor Wim Pijbes schritt sie zu einem symbolisch aufgebauten Schloss und drehte einen goldenen Schlüssel um. Damit öffnete sie das Rijksmuseum nach 10jähriger Umbauzeit wieder für die Öffentlichkeit.

Spektakel in Rot-Weiß-Blau-Oranje

Gefeiert wurde dies weithin sichtbar mit einem Tagfeuerwerk, das an den Seiten und auf dem Dach des mächtigen Backsteingebäudes in den Himmel stieg. Ein Spektakel in Rot, Weiß, Blau und Orange.

Königin Beatrix der Niederlande

steinbauer-groetsch©2013

Spektakulär war auch alles andere an diesem Event: der farbenfrohe Auftritt der zwölf Fanfarengruppen, die die einzelnen Provinzen repräsentierten, das riesige Interesse der Bürger,  die nach der offiziellen Feier über den roten Läufer ins Museum strömten, und die entspannte Atmosphäre, die schon fast Volksfest-Charakter hatte.

Eröffnung Rijksmuseum Amsterdam

steinbauer-groetsch©2013

 

Vergangenheit und Zukunft

375 Millionen Euro kostete die Umgestaltung des Rijksmuseum Amsterdam von Architekt  Pierre Cuypers aus dem Jahr 1876. Mit seinen Stilelementen aus der Gotik und der Renaissance bezog er sich damals auf die glorreiche Vergangenheit des Landes. Die Architekten des Umbaus, das spanische Duo Cruz y Ortiz, transformierten das Museum aus dem 19ten in das 21ste Jahrhundert, und verweisen damit in die Zukunft. Generalüberholt wurde parktisch alles. Die größte Veränderung jedoch erfuhren die beiden überdachten Innenhöfe, die in den 50er und 60er Jahren aus Platzmangel in Ausstellungräume umgewandelt worden waren. Sie wurden vollständig entkernt und mit einem luftigen Glasdach versehen. Entstanden ist eine mehr als 2000 qm große Eingangshalle, durch die das Tageslicht flutet.

Rijksmuseum Amsterdam

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Museum zum Flanieren

Die Besucher flanierten neugierig interessiert durch das zweigeteilte Atrium, das durch eine neu geschaffene unterirdische Ebene verbunden ist. Nur so konnte die umstrittene Passage für Radfahrer und Passanten beibehalten werden. Das Atrium selbst ist die Schnittstelle zwischen der Welt draußen und der Kunst drinnen. Es ist frei zugänglich und beherbergt den Museumshop und ein Café. Auch hier achtete man auf den nationalen Bezug. Die Stühle stammen von bekannten niederländischen Designern, die Speisekarte offeriert landestypische Gerichte wie Spinatsalat mit Delfter Blaukäse, Landbrot mit gekochtem Schinken und Silberzwiebeln und sogar Wein aus der Provinz Limburg.

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Schönheit und Zeit

Nicht nur das Gebäude wurde einer kompletten Transformation unterzogen, auch das Konzept der Präsentation ist neu. Die 80 Ausstellungsräume führen zum ersten Mal chronologisch durch 800 Jahre niederländische Geschichte, vom Mittelalter bis zur Gegenwart.  Die 8000 Gemälde und Exponate wurden größtenteils während der langen Umbauzeit restauriert. Anstatt der Trennung von Malerei  und Objekten wie Möbeln, Glas und Porzellanartefakten setzt man auf das Nebeneinander. So soll dem Besucher laut Ausstellungsmachern ein Gefühl von „Schönheit und Zeit“ vermittel werden. Auffällig ist die Präsentation der Objekte in rahmenlosen Glasvitrinen, die, wie die gesamte Innenausstattung, von dem Franzosen  Jean-Michel Wilmotte entworfen wurden.

Die großen Gemälde bewundern

Die Besuchstour am Eröffnungstag führte auf einer speziell konzipierten Tour an den Höhepunkten der Sammlung vorbei. Vater und Sohn Hilbers waren dafür eigens  aus dem Norden angereist. Nach zweistündiger Wartezeit haben sie es endlich in die prächtige Vorhalle geschafft,  in der die aufwendig restaurierten Decken- und Wandmalereien mit dem wieder komplettierten Bodenmosaik und den farbenprächtigen Fensterbildern der mittelalterlichen Ständeordnung um die Wette eifern.  Der 60jährige Groninger sitzt erschöpft und beeindruckt zugleich auf einer der Ruhebänke: „ Ich war noch nie im Rijksmuseum. Ich bin mit meinem Sohn hier, um die großen Gemälde zu bewundern.“  Die großen Gemälde, das sind  Johannes Vermeers  Milchmagd und  Lesende Frau, der Fröhliche Trinker von Frans Hals und natürlich die Meisterwerke Rembrandts. Sie hängen im Herzstück des Museums, in der Ehrengallerie. Auch hier wurden Wand- und Deckenmalereien aufwendig unter der Leitung des niederländischen Architekten Gijsbert van Hoogevest restauriert.  Dunkelgau gehaltene Wände, dunkelgraue Teppiche und Ruhebänke  absorbieren das Licht und lassen den grandiosen Umgang der großen Meister mit Licht und Schatten umso intensiver wirken.

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Ehrengallerie mit Rembradts Nachtwache

Der neunjährige Klaas Thijssen aus Amsterdam hat ebenfalls stundenlang ausgeharrt – und das nur, um ein einziges Bild zu bestaunen: „Ich finde die Nachtwache so schön. Ich wollte sie einfach sehen.“  Rembrandts berühmtes Gemälde ist das einzige, das wieder an seinen ursprünglichen Platz in dem Raum am Ende der Ehrengallerie zurück gekehrt ist.  Seine Anziehungskraft scheint stärker als je zuvor. Handys und Kameras klicken im Sekundentakt, fast jeder machte ein Erinnerungsfoto.  Es wirkt fast, als wollten die Besucher in Zeiten der Krise ein wenig von der Glorie des goldenen Zeitalters,  der großen wirtschaftlichen und künstlerischen Blütezeit des Landes im 17. Jahrhundert, mit nach Hause nehmen.

Bis Samstag um Mitternacht besuchten 20 000 Besucher das Museum. Es war ein Fest für die Bürger, die ganz eigene niederländische Mischung aus sozialem Ereignis und nationalem Stolz, an dem jeder teilhaben konnte. Ein junger Vater mit zwei Kindern brachte es auf den Punkt. Bei der Eröffnung mit dabei zu sein, sei etwas sehr Besonderes, erklärte er seinen Sprösslingen feierlich, während er die Treppen hinauf stieg. „Und das noch gratis“, erwiderte seine kleine Tochter und bewies damit schon in jungen Jahren jenen Pragmatismus, für den die  Niederländer genauso bekannt sind wie für ihre Kunst.

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