WM 2010: Fußball in der Fremde

WM 2010: Fußball in der Fremde

Fußball-Fans bleiben Fußball-Fans, egal wo auf der Welt sie leben. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich ziehe seit 20 Jahren mit einem dieser Exemplare durch Globalistan.

Nebensache wird zur Hauptsache

Was nicht weiter schlimm wäre, wenn  nicht auch meine Teenager-Tochter, selbst aktive Spielerin, seit der WM 2006 im totalen Fußballtaumel versunken wäre. Ich weiss was mir blühen wird, wenn nun die WM beginnt – ein mehrwöchiger mentaler Ausnahmzustand, in dem die normalen Dinge des Lebens wie Schule, Beruf und Familie zur Nebensache werden. Hauptsache sind dann die Fußballspiele der deutschen Mannschaft, die man mit möglichst vielen Landleuten vor dem Schirm verfolgt und mit ausreichend „Futter“ unterlegt (zu diesem Thema mehr in den nächsten Tagen).

Die eigene Mannschaft?

Das Bedürfnis, die eigene Mannschaft bei so einem Mega Event stilgerecht anzufeuern, ist unter Expats gleich welcher Nation nicht so einfach zu befriedigen, wie bei den Fans im eigenen Land.  Der Einkauf von geeigneten Fanartikeln, den ich  zunächst relativ unproblematisch einschätzte – kurz über die niederländisch-deutsche Grenze nach Leer fahren und aus dem vollen Angebot schöpfen – erwies sich als äußerst schwierig. Nach langem Suchen in mehreren Läden kam ich schließlich mit zwei Shirts, einer Sonnenbrille und einer Hawaii-Kette in den deutschen Nationalfarben zurück. (Was tut man nicht alles, um Teenager friedlich zu stimmen.) In den niederländischen Geschäften gibt des deutlich mehr Fanartikel, und natürlich alles in Oranje. Bei meinem Hausmetzger habe ich neulich völkerverbindend eine Grillwurst nach südafrikanischem Rezept erstanden, die nach Zimt und Kreuzkümmel schmeckte und wirklich sehr lecker war. Es scheint in jedem Fall, als richteten sich die Holländer auf eine gute und lange WM für ihr Team ein, während das deutsche Angebot eigentlich nur einen Schluss zulässt: es wird nicht viel zu feiern geben bei uns.

Essen verbindet

Ob das so kommt, weiß natürlich kein Mensch. Ich hoffe jedenfalls, dass die beiden Teams nicht gegeneinander antreten müssen. Denn obwohl die niederländisch-deutschen Beziehungen so gut sind wie schon lange nicht mehr und der Bayern Coach Louis van Gaal mehr zur Völkerverständigung beigetragen hat, als Generationen von Politikern vor ihm – ein deutsch-niederländisches Match steht immer unter besonderer emotionaler Spannung. Aber zunächst geht es für die deutsche Mannschaft am Sonntag gegen Australien um einen guten Start. Bei uns wird dann Kriegsbemalung aufgelegt, das Fan-Shirt übergezogen und die Hawaii-Kette umgelegt werden. Gucken müssen wir aber bei Freunden. Denn wir empfangen die deutschen Sender via Satellit. Und die öffentlich-rechtlichen Anstalten haben keine Satelliten-Übertragungsrechte für die WM. Habe ich eben „wir“ gesagt?  Na ja, ich muss gestehen, so eine WM finde ich schon ganz spannend. In jedem Fall trifft man beim „public viewing“ immer Leute, die man schon lang nicht mehr gesehen hat und mit denen man in der Halbzeit Neuigkeiten austauschen kann. Was ich zu essen mitbringen werde? Ein deutsches, ein australisches oder ein südafrikanisches Gericht, passend zu Gastland oder Kontrahenten. Vielleicht male ich mir sogar ein kleines Deutschland-Fähnchen auf die Wange.

 

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