Fight Hunger!

Fight Hunger!

Ich habe Glück. Wenn ich Lust auf Räucherlachs habe, kaufe ich ihn. Wenn mein Magen knurrt, gehe ich zum gut gefüllten Kühlschrank. Wenn ich koche, dann kann ich aus einem unbegrenzten Angebot an Zutaten schöpfen. Hunger? Kenne ich nicht.

Welternährungstag

Ich habe jeden Tag, also auch am morgigen Welternährungstag,  im Durchschnitt 3620 Kalorien zur Verfügung. Wenn ich weniger esse, dann nicht aus Not, sondern weil ich mich bewusst dafür entscheide. Fast einer Milliarde Menschen weltweit geht es nach den Angaben der Welternährungsorganisation FAO nicht so gut. Sie müssen mit 1400 Kalorien oder weniger auskommen. Nicht weil sie eine Diät machen, sondern weil sie keinen Zugang zu ausreichender Nahrung haben. Sie hungern.

Bekannte Gründe

Dabei werden weltweit genug Nahrungsmittel produziert, um alle satt zu machen. Nicht der Mangel an Essen, sondern der Zugang zu ihm ist das Problem. Die Gründe sind hinlänglich bekannt: korrupte Regierungen, übersteigerte Preise durch Spekulationen an den Rohstoffbörsen, durch Klimawandel bedingte Missernten, der ständig steigende Bedarf an Fleisch, die stetig weiter wachsende Weltbevölkerung.

Vorgaben verfehlt

Im Jahr 2000 hatte sich die Weltgemeinschaft vorgenommen, bis 2015 die Zahl hungernder Menschen auf zu 600 Millionen senken. Heute, zehn Jahre später, scheinen diese Vorgaben weiter entfernt denn je. Beim diesjährigen Millennium-Gipfel in New York wurde das Scheitern hoch gesteckter Ziele in der Welternährungspolitik deutlich. Und die Aussichten sind düster. Im Augenblick hungert fast ein Siebtel der Weltbevölkerung. Doch wie hoch wird diese Zahl 2050 aussehen, wenn nicht sieben, sondern neun Milliarden Menschen satt werden müssen?

Die Herausforderungen, den Welthunger zu besiegen, sind riesig. Sie fordern einen entschlossenen politischen Willen aller Regierungen, denn ohne gemeinsames und globales politisches Handeln können die Ursachen nicht beseitigt werden. Erste Anzeichen für diesen Willen gibt es seit kurzem. Frankreich plant während seiner G20-Präsidentschaft eine Initiative, um die Spekulation mit Rohstoffen, vor allen von Grundnahrungsmitteln wie Weizen, zu begrenzen. Die deutsche Regierung hat dafür bereits Unterstützung signalisiert.

Zugang für Kleinbauern

Ein weiterer Schwerpunkt der globalen Ernährungspolitik wird die Stärkung der Kleinbauern sein. Carlos Seré, ein führender Agrarforscher aus Nairobi erklärt im dem Spiegel-Artikel „Die immergrüne Revolution“, dass mehr als die Hälfte des weltweiten Bedarfs an Getreide von Kleinbauern erzeugt wird. Der Zugang zu erschwinglichem Saatgut und die Vergabe von Mikrokrediten für die weltweit 2 Milliarden Kleinbauern sind wichtige Faktoren für ihren nachhaltigen Erfolg in der Ernährungspolitik. Dazu gehören auch der Zugang zu Wissen über moderne Anbautechniken und die Unabhängigkeit von globalen Agrarkonzernen.

Die Folgen des Klimawandels, die immer häufiger zur Überschwemmung von Ackerland oder zu Dürrekatastrophen führen, können nur langfristig und global bekämpft werden. Eine Aufgabe, die ebenfalls politische Lösungen fordert.

Mehr als nur ein schlechtes Gewissen?

Was bleibt also für uns wohlgenährte Konsumenten aus den Industrienationen dieser Welt? Was können wir tun, außer Geld zu spenden und jährlich einen Tag lang ein schlechtes Gewissen zu haben? Kann ich als einzelner Mensch einen nennenswerten Beitrag zur Reduzierung des Welthungers zu leisten?

Persönliches Engagement allein wird das Hungerproblem auf einer globalen Ebene nicht lösen, aber kleine Veränderungen kann man als Bürger, als Elternteil oder Pädagoge, als Konsument schon auf den Weg bringen. Wie?

Verantwortung übernehmen

Als Bürger sind wir dafür verantwortlich, dass die von uns gewählten Regierungen aktiv gegen das globale Hungerproblem ankämpfen. Dafür ist Geld, aber auch die Präsenz des Themas über den Welternährungstag hinaus in der Öffentlichkeit nötig. Dazu können wir beitragen,  zum Beispiel durch die Unterzeichnung der Pedition der Welternährungsorganisation FAO. Das geht mit einem Klick ganz einfach, online hier.

Als Eltern und Pädagogen liegt es an uns, unseren Kindern einen positiven Umgang mit Nahrungsmitteln zu vermitteln. Nicht wie viel, sondern was man isst und woher es kommt, ist wesentlich. Der Wert des Essens, das tägliche Mahl am Familientisch, das gemeinsame Kochen, die Weitergabe von Familienrezepten – das alles sollte wieder Teil unserer Ess-Kultur werden. Denn wer weiss, woher ein Nahrungsmittel kommt und wie es zubereitet wird, entwickelt ein Bewusstsein für seinen Wert.

Als Konsumenten haben wir einige Möglichkeiten zu handeln. Wir können beim Einkauf von Lebensmitteln auf ihre Herkunft und ihren Handelsweg zu achten und so dazu beitragen, dass Erzeuger in den Entwicklungs- und Schwellenländern faire Preise für ihre Waren bekommen und damit auch genügend Geld in der Tasche haben, um ihre Familien zu ernähren. In den Supermärkten in den Niederlanden zum Beispiel gibt es für viele Produkte bereites eine Fair Trade Variante und auch in anderen Ländern findet man zunehmend fair gehandelte Produkte in den Läden.

Weniger Fleisch

Eine andere Möglichkeit: den eigenen Fleischkonsum reduzieren. Denn je höher die weltweite Produktion von Fleisch steigt, desto mehr Ackerflächen werden für den Anbau von Futtermittel benötigt und können nicht für Grundnahrungsmittel genutzt werden. Ich bin kein dogmatischer Vegetarier, im Gegenteil – ab und zu esse ich sehr gerne Fleisch – aber eben ab und zu. Denn es gibt wirklich sehr viele wohlschmeckende Alternativen in fast jeder Landesküche. Bücher wie „Tiere essen“, geschrieben vom amerikanische Bestseller-Autors Jonathan Safran Foer, zeigen, dass die Diskussion über industrielle Produktion und massenhaften Verzehr von Fleisch undogmatisch aber mit Nachdruck geführt werden muss. Und René Redzepis, hochdekorierter Sternekoch, dessen Restaurant Noma in Kopenhagen zur Nummer eins der „S.Pellegrino Worl’s 50 best Restaurants 2010“ wurde, sieht gar den Trend zur fleischlosen Küche. Er sagt vegetarischem Essen auch auf Spitzenniveau eine große Zukunft voraus.

Das Fazit zum diesjährigen Welternährungstag? Wir können etwas tun. Unsere Haltung und unserer Handeln  macht zwar nicht über Nacht alle Hungernden satt, aber  wir können und müssen dazu beitragen, dass das Recht auf Nahrung kein abstraktes Recht bleibt, sondern für jeden Menschen Wirklichkeit wird.

Weitere Informationen:

Dokumentarfilm  Hunger, 25.10.2010, 22.45 Uhr in der ARD

Website  Brot für die Welt

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