Rotterdamer Käse für Rotterdamer Bürger

Rotterdamer Käse für Rotterdamer Bürger

Mir war vollkommen neu, dass es einen Rotterdamer Käse gibt, bis ich für meinen Besuch in der Markthal Rotterdam recherchierte und auf den Stand von Klaas van der Mast stieß, der den Käse dort vertreibt und mir die Legende um Entstehungsgeschichte mit einem Augenzwinkern erzählte.

Markthal Rotterdam

steinbauer-groetsch©2014

Wie alles begann

Alles begann im legendären Fussball-Stadion Feijenoord, im Volksmund auch de Kuip, der Bottich genannt. Dort servierte man einer Runde Rotterdamer Geschäftsleute den bekannten Amsterdamer oude Kaas. Und erregte damit den Unmut des illustren Clubs. Fußballspielen gegen die Rivalen aus Amsterdam – das war okay, aber auch noch Amsterdamer Käse essen, da ginge zu weit, befanden die Lokalpatrioten. Und so, sagt die Legende, wurde an diesem Abend die Idee geboren, den Rotterdamern einen eigenen Käse zu bescheren.

Salzkristalle auf der Zunge

Rotterdam ist nicht eben für Kühe und große Weideflächen bekannt und so ist es nicht verwunderlich, dass der Käse nicht vor Ort hergestellt wird, sondern in einer Käserei in Nordholland. Produziert wird er aus 100% niederländischer Milch. Dick Schumacher vom Käsefachgeschäft De Weypoort überwacht die Umsetzung der Idee. Neben dem alten Rotterdamer Käse, der minimal 50 Wochen auf Holzbrettern reift, gibt es auch jungen (6 Wochen gereift) und belegen (1 Jahr gereift) Kaas sowie Ziegenkäse im Angebot. In dem alten Käse sitzen winzige Salzkristalle, dem beim Kauen auf der Zunge zergehen.

Rotterdamer Käse steinbauer-groetsch©2014

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Bei genauerer Betrachtung ist meiner Meinung nach nicht viel an dem Käse „Rotterdams“. Aber es ist eine clevere Marketing-Idee, um die lokale Kundschaft zu binden. Die Konsumenten spricht das Konzept offensichtlich an, dieses Jahr lief ziemlich rund, sagt Klaas van der Mast, während er Proben austeilt und Fragen beantwortet.

Dazu trägt sicher auch das Retro-Design bei, und der Portwein, der ebenfalls unter dem Label verkauft wird. Auch da darf die Kundschaft mal nippen. Port und Käse – das ist Nostalgie a la Nederland.

Käse aus Rotterdam steinbauer-groetsch©2014

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Borrelhapje

Dass der Käse wirklich schmeckt und das Konzept keine Luftnummer ist, das bestätigte vor kurzem ein witziges Erlebnis. Wir verbrachten einen Abend bei toller Jazzmusik im Kulturzentrum LantarenVenster am Rotterdamer Rijnhaven. Wie immer kamen wir spät und hatten nicht zu Abend gegessen. Das Restaurant war in der Pause schon geschlossen und so mussten wir uns mit Snacks über Wasser halten. Ganz holländisch bestellten wir schnell die typischen Käsewürfel, die man überall zu Wein oder Bier bekommt. Mein Liebster befand sie für sehr schmackhaft und siehe da, beim verspäteten Blick auf die Karte entdeckte ich, dass es eben jener Rotterdamsche oude Kaas war, den man uns serviert hatte.

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